Turmuhr : Kein Stillstand in Gadebusch

 Frank Rohmann, Gunter Godemann, Paul Zelinski und Reiner Sterzik (v.l.) setzen sich erfolgreich für die Reparatur der Turmuhr von Gadebusch ein.


Frank Rohmann, Gunter Godemann, Paul Zelinski und Reiner Sterzik (v.l.) setzen sich erfolgreich für die Reparatur der Turmuhr von Gadebusch ein.

Die Zeit des Stillstands, sie ist vorbei. Am Gadebuscher Kirchturm wird wieder die korrekte Uhrzeit angezeigt. „Es war ein Kraftakt“, sagt Rehnas Uhrmachermeister Gunter Godemann, der sich mit Paul Zelinski vor zwei Monaten an die gewünschte Reparatur der Turmuhr heranwagte.

Vom Gedanken eines zügigen Baugruppentausch mussten sich der Uhrmachermeister und Paul Zelinski verabschieden. Stattdessen, war echte Handwerksarbeit gefragt. Am Anfang stand die Demontage der Zeiger in luftiger Höhe.„Anders war kein rankommen ans Uhrenwerk“, sagt Godemann. Folglich wurden durch schmale Öffnungen im Turm von außen Seile an den Uhrzeigern befestigt, diese anschließend von der Achse gelöst, bevor an einer Demontage des Uhrwerkes nur annähernd gedacht werden konnte. Diese Art von Sicherheitsvorkehrung sei notwendig gewesen, damit die Zeiger nicht in die Tiefe stürzten. „Glücklicherweise war all die Arbeit ohne Freiklettern möglich“, meint Godemann und lacht.

Frank Rohmann als Initiator der Reparatur und Reiner Sterzik vom Förderverein der Kirche zeigten sich über den vollen Einsatz erfreut. Immerhin kam mit der Aktion Licht ins Dunkel: Am Stundenrad des Zeitmessers fehlten zwei Metallzähne, was den Bewegungsablauf in der Mechanik beeinflusste und zum Stillstand führte. Mehrere Jahre altes Fett und Staub setzten der Uhr ebenso zu. „Nun wissen wir, warum in Gadebusch an der Turmuhr zwischen 6 und 7 Uhr die Zeit stehen blieb“, meint Sterzik.

Das komplette Uhrenwerk wurde gereinigt, die fehlenden Zähne ersetzt. Ähnlich wie beim Zahnarzt erhielt das Hauptzahnrad ein Implantat. Godemann: „Kein Titan, sondern Messing.“ Bei so viel Liebe zum Detail zeigt sich Frank Rohmann begeistert: „Eine absolut meisterliche Arbeit. Ich ziehe den Hut vor so viel handwerklichem Geschick.“

Damit sind die Tage des Stillstands gezählt. Besucher, die aus Süden und Westen nach Gadebusch einreisen und auf die Turmuhr schauen, dürfen der Zeitangabe am Kirchturm wieder vollends vertrauen. Durch den zeitgleichen Tausch des Bewegungsmelders funktioniert sogar die Glocke wieder. Rohmann, der übers Jahr zahlreichen Touristen an die Gedenkstätte Wakenstädt und in die Kirche führt, sieht in der erfolgreichen Reparatur der Uhr einen wesentlichen Beitrag für eine attraktive Stadt: „Ob Schweden oder Dänen, die Besucher schauen immer auf die Uhr am Turm.“ Bedauerlich finden Rohmann und Sterzik, dass das alte Uhrwerk als technisches Denkmal nicht mehr vorhanden ist. Ebenso fehlen die Außenglocken, die vom Gebäude der Sparkasse einst sichtbar waren. „Jetzt suchen wir alte Fotos, die diese Glocken zeigen und Hinweise auf das Uhrwerk“, sagt Rohmann. Reiner Sterzik hält es durchaus für denkbar, dass „mit der Sanierung des Kirchturmes 1994/95 Uhrwerk und Glocken verschwunden sind“.

von Volker Bohlmann (Gadebuscher-Rehnaer Zeitung, 22.12.2014)

Reformationstaler Nachprägung

Jetzt erhältlich