Reformatorische Kunst in Gadebusch

Das Schloss in Gadebusch ist der jüngste herzogliche Schlossbau, der während der Regierungszeit von Herzog Johann Albrecht I. (1547-1576) entstanden ist. Er dokumentiert unverfälscht den Johann Albrecht–Stil, der eine Sonderstellung in der deutschen Renaissancearchitektur einnimmt. Typisch sind die Schmuckelemente aus Terrakottaplatten, die erstmalig 1555 am Fürstenhof in Wismar und am Schweriner Schloss verwandt wurden. Diese Platten wurden in der Manufaktur des Lübecker Meisters Statius von Düren gebrannt. Das Gadebuscher Schloss wurde 1570/71 unter Verwendung mittelalterlicher Bauteile vom Baumeister Christoph Haubitz für den Herzog Christoph, ein jüngerer Bruder von Johann Albrecht, zu einem Renaissanceschloss umgebaut.
Friese, Pilaster und Gesimse schmücken die Außenfassade. Auf zwei großen Portaleinfassungen sind biblische Szenen dargestellt, eine beliebte Kunstform der Reformation

Sündenfall – Kreuzigung – Auferstehung

Was ist an dieser Kunst reformatorisch?

Für uns heute kaum vorstellbar, aber zur damaligen Zeit hatten die Menschen panische Angst vor dem Fegefeuer und der Hölle. Für all ihre begangenen Sünden mussten sie am Ende ihrer Tage Gottes Urteil fürchten. In ihren Augen war Gott ein drohender, richtender, zorniger Gott.
Auch Martin Luther lebte mit der quälenden Frage, wie kann ich vor Gott gerecht werden und seine Gnade erlangen? Er hungerte, quälte sich, er lebte nach den Gesetzen des Alten Testaments, den 10 Geboten. Doch die erlösende Antwort blieb aus.
Die alte Papstkirche des 15. und 16. Jahrhunderts nutzte die Ängste der Menschen aus und erfand den Ablasshandel. Man konnte sich durch Geld von allen Sünden frei kaufen. Mit Unsummen von Geldern finanzierte der Papst den Bau des Petersdom in Rom und viel Geld wanderte in die eigenen Taschen. Luther war empört. Vom Ablass und dem Sündenerlass stand nichts in der Bibel. Aber in der Bibel fand er die Antwort. (Römerbrief, Lukasevangelium)
Nicht durch irdische Werte, weder Ablass noch Geld kann man das Seelenheil erlangen. Allein durch den Glauben an die Heilige Schrift, an Jesus Christus, seinen Opfertod und die Auferstehung, kann jeder vor Gott gerecht werden.
Da war sie, die lang gesuchte Antwort nach dem gütigen gerechten Gott. Daraus schöpfte er die Kraft, sich gegen Papst und Kaiser zu stellen und damit die Reformation auszulösen.
Wie kein anderer Maler hat es Lucas Cranach, Hofmaler am sächsischen Hof, verstanden, diese reformatorische Lehre ins Bildliche umzusetzen. In den Jahren 1528/29 beschäftigte sich Cranach immer wieder mit dem Thema der Rechtfertigung des Sünders durch den Glauben. Er gab seinen Bildern den Titel GESETZ UND GNADE.
In diesen Bildern sind viele Symbole des Alten und Neuen Testaments zu einer Ikonographie zusammengefasst.

Die linke Seite weist auf das strenge Gesetz des Alten Testaments hin, das den Menschen vor seiner Sündhaftigkeit mahnt. Adam und Eva essen von der Frucht des Baumes der Erkenntnis und übertreten damit Gottes Verbot – das Urbild der Sünde. Im oberen Teil des Bildes, ist die Gesetzesübergabe an Moses zu sehen.
Auf der rechten Seite ist die Gnade Gottes im Neuen Testament dargestellt. Die Szenen zeigen den Opfertod am Kreuz und den Triumph des auferstandenen Christus.
Unter dem Baum des Lebens und des Todes sitzt der sündige Mensch zwischen einem Propheten des Alten Testaments und Johannes dem Täufer, dem Mittler zwischen Gesetz und Gnade. Beide weisen auf das Evangelium im Neuen Testament.

1534 entwirft Erhard Altdorfer, Hofmaler des mecklenburgischen Herzogs, Heinrich der Friedfertige das Titelbild für die plattdeutsche Fassung der Lutherbibel. Er orientiert sich mit seinem Holzschnitt an dem von Cranach geschaffenen protestantischen Lehrbild – Gesetz und Gnade. In seiner Bildkomposition ist das Alte Testament dem Neuen gegenübergestellt,
Die gleiche Thematik ist nun in einer anderen Kunstform am Gadebuscher Schlossportal zu finden. 1553 schuf der Lübecker Bildhauer und Ziegelbrenner die drei Terrakottaplatten, die das Portal zieren. Unschwer ist Luthers Rechtfertigungslehre, auch in Gadebusch zu erkennen.
1611 verließ der letzte Herzog das Gadebuscher Schloss. Erstaunlicher weise hat sich der Terrakottaschmuck bis heute gut erhalten und leuchtet in seiner ursprünglichen kräftigen Farbe.

Text:Gerhard Schotte
Fotos:Hubert Metzger

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