Das Taufbecken steht: Gerhard Schotte, Matthias Bresien und Sven Kawen in der Steinmetzwerkstatt. Fotos: Volker Bohlmann

Ein Podest aus Muschelkalk

Das Taufbecken steht: Gerhard Schotte, Matthias Bresien und Sven Kawen in der Steinmetzwerkstatt. Fotos: Volker Bohlmann

Das Taufbecken steht: Gerhard Schotte, Matthias Bresien und Sven Kawen in der Steinmetzwerkstatt. Fotos: Volker Bohlmann

„Alle gemeinsam! Und jetzt anheben!“, ruft Steinmetz Sven Kawen in der Werkstatt vom Natursteinwerk Rechtglaub-Wolf GmbH in Selmsdorf. Das Unternehmen hat sich auf die Bearbeitung von Steinsorten aus aller Welt spezialisiert. Darunter auch aus Muschelkalk. Ein Stein, wie er auf Gotland vorkommt. Ein weiches Material, aus dem einst das Taufbecken der Gadebuscher Stadtkirche gefertigt wurde. Mehr als 800 Jahre ist das her.

Das Gadebuscher Taufbecken ist kein Leichtgewicht, wie Kawen, der Gadebuscher Gerhard Schotte und Restaurator Matthias Bresien schnell bemerken. Dafür allerdings so besonders, dass es eine Aufwertung erfahren darf und künftig auf einer Kalksteinsäule steht. Ein Projekt, das kulturhistorisch gesehen ein wichtiger Schritt ist. „Es ist sozusagen das älteste Möbelstück der Kirche“, meint Gerhard Schotte vom Förderverein der Kirche zu Gadebusch. Gemeinsam mit Bresien unterstützt er mit ganzer Muskelkraft den Steinmetz.

Nach einigen Anpassungen thront das steinerne Taufbecken auf einem neuen Podest. „Ein Bolzen und Spezialkleber verankert die Teile“, so Sven Kawen.

Die Freude ist groß. Bresien, Schotte und Steinmetz Kawen blicken mit Zuversicht auf das Werk. Altes und Neues, die Mischung sei hervorragend, gibt Schotte zu verstehen. Zumal die neu gefertigte Säule ebenfalls aus Muschelkalk von Gotland besteht.

Die erforderlichen Entwürfe legte einst Architekt Gisbert Wolf vor, der mit der Entdeckung und Freilegung des Taufbeckens im Kirchgemäuer im Jahr 2006 die Initiative startete. Der Förderverein der Kirche Gadebusch und die Dornstiftung in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterstützten die Umsetzung des zirka 2000 Euro teuren Projekts. Das aus Stein gehauene Schmuckstück wird in wenigen Tagen die Königskapelle der Stadtkirche schmücken.

von Volker Bohlmann (Gadebusch-Rehnaer Zeitung, 06.12.2016)

Das Kunstprojekt der Nordkirche „artist in parish“ (Kün23-81192798-23-81203540-1467730896 stler in der Gemeinde) hinterlässt Spuren und beschert Gadebusch eine Kunstschau. In einer vierwöchigen Schaffensphase unter dem Motto „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“ aus dem Lobgesang Marias aus dem Lukasevangelium, schuf Künstler Matthias Kempendorf eindrucksvolle Werke unter dem Dach der Stadtkirche.

Bereits beim Betreten der Kirchen fallen sie sofort auf: die Stühle mit ihren überdimensional langen, dünnen Beinen ganz in weiß. Die Rückenlehne und die Sitzfläche sind mit Pergament bespannt. Das verleiht ihnen eine zusätzliche Leichtigkeit. 40 dieser Stühle findet der Besucher in der ganzen Kirche verteilt. Manche aufrecht stehend, manche halb liegend und manche komplett umgestürzt.

Neben den Stühlen entstanden drei Bilder, die sich harmonisch in drei Nischen einfügen, so als wären sie schon immer dort gewesen und gehörten genau dort hin. „Drei Bilder für drei Frauen, Maria, Miriam und Hanna“, beschreibt Kempendorf die Komposition. Er berichtet von der Entstehung der Bilder. Wofür die verwendeten Zeichen stehen, nämlich die aufrechten Striche, als Verbindung von Himmel und Erde für Maria. Die Zick-Zack-Zeichen als Wasser oder Meer symbolisieren Miriam, die den Lobgesang anstimmte als das israelische Volk trockenen Fußes durch das rote Meer schreiten konnte. Schließlich der Kreis als Zeichen der Fruchtbarkeit für Hanna die Mutter des Propheten Samuel, die ebenfalls Gottes Hilfe für die Schwachen besingt.

Dieses Kunstprojekt der Nordkirche „artist in parish“ läuft unter dem Motto „Magnificat und Luther“. Das Magnificat steht für die lateinische Bezeichnung des ersten Satzes aus dem Lobgesang Marias. „Wir haben uns als eine Kirche in Mecklenburg und Pommern um einen Künstler beworben und glücklicherweise einen der drei begehrten Plätze in dem Projekt erhalten“, erzählt Gerhard Schotte, der Initiator gemeinsam mit Pastorin Ariane Baier.

Zusammen entschieden sie sich dann für Matthias Kempendorf. „Vor allem seine Arbeiten mit dem Pergament gefielen uns sofort“, ergänzt Ariane Baier. Sie seien sehr froh gewesen, dass er dem Leben und Arbeiten in der Gadebuscher Stadtkirche zugestimmt hat.
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„Es war eine große Freude und Ehre, hier in dieser wunderschönen Kirche arbeiten zu können“, fasst Matthias Kempendorf diese vier Wochen zusammen. Er hätte so viele Freiheiten genossen wie nie zuvor und fühlte sich immer getragen in dieser Zeit. Nun laden er und die Kirchgemeinde Besucher ein, sich den Sommer über die Ausstellung anzuschauen. „Überall lässt sich etwas entdecken“, so der gebürtige Hamburger.

von Volker Bohlmann (Gadebuscher-Rehnaer Zeitung, 05.07.2016)

Eine Holzschatulle und ein Begleitheft zur Geschichte des Talers, der Reformation und zur Stadtkirche Gadebusch gehören zum Taler.

Eine Holzschatulle und ein Begleitheft zur Geschichte des Talers, der Reformation und zur Stadtkirche Gadebusch gehören zum Taler.

Silber oder versilbert– in Mecklenburg-Vorpommern wird der Reformationstaler von Mecklenburg anlässlich 500 Jahre Erneuerung der Kirche im Jahr 2017 in zwei Varianten neu aufgelegt. Möglich wird dies durch eine Nachprägung des aus dem Jahr 1549 stammenden Talers. Damals entstand dieser in der Werkstatt des Gadebuscher Münzmeisters Bernhard Jungkeling.

467 Jahre später gelingt die konzeptionelle und inhaltliche Vorarbeit für die Nachprägung erneut in Gadebusch. Diesmal am Schreibtisch von Gerhard Schotte. „Mit Fertigstellung der Bronzefigur des Münzschlägers am Rathaus begannen die Vorarbeiten. Mehr als drei Jahre beschäftigte sich eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Kirche und der Stadt mit dem Thema“, sagt Schotte.

So hatte Gadebusch im Verlauf der Geschichte als Münzstadt einen höheren Status als die Hansestadt Wismar, denn dort wurde nur städtisches Geld geprägt. Gadebusch hingegen war eine herzogliche Münzstätte. Ein Status, den die Stadt 82 Jahre behielt.

Das Original und die Nachprägung der Münze zeigen Herzog Johann Albrecht I. auf der Vorderseite und rückseitig das Mecklenburger Landeswappen. Unter der Darstellung des Herzogs findet sich der Schriftzug „DOMINE NE DA INIMICIS VERBI TVI LETITIAM“, das so viel bedeutet wie „Herr, gib dass die, welche Dein Wort jetzt verachten, sich zu ihm bekennen und Freude an ihm haben.“ Worte, die 32 Jahre nachdem Luther seine Thesen an das Kirchentor von Wittenberg anschlug, auf den Taler geprägt wurden. Heute gelten diese in Fachkreisen als klares Bekenntnis zur Reformation.

Gerhard Schotte mit einer Nachprägung des Reformationstalers, wie er ab Herbst in limitierter Auflage erhältlich ist.

Gerhard Schotte mit einer Nachprägung des Reformationstalers, wie er ab Herbst in limitierter Auflage erhältlich ist.

Der jüngste Beitrag aus Gadebusch ist eingebunden in landesweite Kunst- und Kulturprojekte im Jubiläumsjahr 2017 und hebt somit auch die Bedeutung der Kleinstadt mit Kirch- und Schlossensemble in Mecklenburg hervor. Bis zur offiziellen Präsentation des Talers werden noch einige Wochen vergehen. Fest steht: „Ab Herbst wird der Taler in einer limitierten Auflage erhältlich sein – 50 in Silber und 200 versilbert“, sagt Schotte.

Herausgeber des Reformationstalers von Mecklenburg sind der Förderverein der Stadtkirche zu Gadebusch mit Unterstützung der Stiftung der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest.

von Volker Bohlmann (Gadebuscher-Rehnaer Zeitung, 23.06.2016)

Der Chorbogen in der Stadtkirche von Gadebusch stammt aus dem Mittelalter.

Der Chorbogen in der Stadtkirche von Gadebusch stammt aus dem Mittelalter.

Zehn Männer, ein Holzbogen mit filigranen Schnitzereien aus dem Mittelalter, den Mut mit all dem Gewicht auf einem schmalen Gerüst zu balancieren und viel Organisationstalent: In Gadebusch wurde das möglich, was einige kulturhistorisch interessierte Bürger kaum noch für möglich hielten. Zum Weihnachtsfest bekam die Stadtkirche Gadebusch ihren mittelalterlichen Chorbogen zurück. Schnitzkunst aus der Gotik, die im Zuge der Reformation vor fast 500 Jahren aus der Kirche zurückgebaut wurden. „Wir freuen uns, dass die Verhandlungen mit dem Landesmuseum erfolgreich verliefen und wir den seit der Sanierung des Hauses gehegten Wunsch erfüllen konnten“, sagt Pastorin Ariane Baier.

Auf zwei Jahre erstreckten sich die Verhandlungen. Bis zum Ergebnis zahlreiche Fragen zur Sicherheit der Dauerleihgabe als auch um den geeigneten Standort endgültig geklärt waren.

Mit Giesbert Wolf als einen sich für die Stadtkirche engagierenden Architekten und Restaurator Peter Jankowski gelang der Kirchgemeinde letztlich, ihrem Gotteshaus die „Krone“ aufzusetzen. „Der Chorbogen ist das i-Tüpfelchen und wertet die Stadtkirche auf“, meint Baier. Es sei einfach schön, dass das Landesmuseum für Mecklenburg diesen Schritt getan habe. „Wir können diese Arbeiten einer spürbar zunehmenden Zahl von Touristen zeigen“, sagt Baier. Nicht zuletzt steht die Stadtkirche von Gadebusch auf der Liste der Denkmäler von nationaler Bedeutung.

Vor der Präsentation am Heiligabend lag die Arbeit. Restaurator Peter Jankowski beschrieb den Zustand der Schnitzereien als desolat. Alle noch vorhandenen 14 Einzelteile fügte er nach umfangreicher Behandlung zu einem Gesamtbild, das heute auf denen von Architekt Giesbert Wolf entworfenen Holzsäulen dem Chorraum ein neues Antlitz gibt. „Anfangs kannte ich den Bogen nur vom Papier, dann war ich skeptisch. Jetzt, wo alle Teile montiert sind, bin ich davon überzeugt, dass die Stadtkirche eine Aufwertung erfahren hat“, sagt Gerhard Schotte. Er gehörte zum zehnköpfigen Aufbauteam, das auf schmalen Gerüstbohlen den Chorbogen an die richtige Position brachte.

Die Geschichte des Chorbogens ist lang. Alle Details ließen sich heute nicht mehr zusammentragen, meint Pastorin Ariane Baier. Das Kunstwerk stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert und war Teil einer Chorschranke, die bis zum Boden reichte. Sie trennte die Sitzreihen der Geistlichkeit vom Volk. Mit der Reformation verschwanden die Bauteile aus der Kirche, und die Trennung wurde aufgehoben. „Der Bogen ist vermutlich noch geblieben, bis im 19. Jahrhundert die Schnitzereien innerhalb der Stadt an verschiedenen Standorten lagerten, unter anderem im Rathaus“, so Ariane Baier. Großherzog Friedrich Franz interessierte sich in dieser Zeit für die Kunstwerke und tauschte die mittelalterlichen Bauteile gegen ein neugotisches Altarbild, das Jesus beim Beten zeigt. Im großherzoglichen Museum und in Schwerin waren die Gadebuscher Chorteile bis ins 20. Jahrhundert ausgestellt. Mit der Neugestaltung der Stadtkirche zwischen 1914/16 fanden sie ihren Weg nicht zurück und verschwanden in den Magazinen des Museums. Nicht wenige Bauteile sind seit dem Mittelalter verschwunden.

 Ein zehnköpfiges Team unterstützte den Aufbau.


Ein zehnköpfiges Team unterstützte den Aufbau.

„Mit der nun abgeschlossenen Sanierung unseres Hauses finden wir gute Bedingungen vor, diese Kulturschätze der Öffentlichkeit zeigen zu können“, sagt Ariane Baier. Möglich wurde dies durch das Engagement der Dom-Liesegang-Stiftung. Sie legte für die Stadtkirche ein Stiftungskapital fest. Die jährlichen Ausschüttungen dienen vor allem dem Erhalt des Bauwerkes und in diesem Jahr der Restauration und dem Aufbau des Chorbogens.

von Volker Bohlmann (Gadebuscher-Rehnaer Zeitung, 27.12.2014)

 Frank Rohmann, Gunter Godemann, Paul Zelinski und Reiner Sterzik (v.l.) setzen sich erfolgreich für die Reparatur der Turmuhr von Gadebusch ein.


Frank Rohmann, Gunter Godemann, Paul Zelinski und Reiner Sterzik (v.l.) setzen sich erfolgreich für die Reparatur der Turmuhr von Gadebusch ein.

Die Zeit des Stillstands, sie ist vorbei. Am Gadebuscher Kirchturm wird wieder die korrekte Uhrzeit angezeigt. „Es war ein Kraftakt“, sagt Rehnas Uhrmachermeister Gunter Godemann, der sich mit Paul Zelinski vor zwei Monaten an die gewünschte Reparatur der Turmuhr heranwagte.

Vom Gedanken eines zügigen Baugruppentausch mussten sich der Uhrmachermeister und Paul Zelinski verabschieden. Stattdessen, war echte Handwerksarbeit gefragt. Am Anfang stand die Demontage der Zeiger in luftiger Höhe.„Anders war kein rankommen ans Uhrenwerk“, sagt Godemann. Folglich wurden durch schmale Öffnungen im Turm von außen Seile an den Uhrzeigern befestigt, diese anschließend von der Achse gelöst, bevor an einer Demontage des Uhrwerkes nur annähernd gedacht werden konnte. Diese Art von Sicherheitsvorkehrung sei notwendig gewesen, damit die Zeiger nicht in die Tiefe stürzten. „Glücklicherweise war all die Arbeit ohne Freiklettern möglich“, meint Godemann und lacht.

Frank Rohmann als Initiator der Reparatur und Reiner Sterzik vom Förderverein der Kirche zeigten sich über den vollen Einsatz erfreut. Immerhin kam mit der Aktion Licht ins Dunkel: Am Stundenrad des Zeitmessers fehlten zwei Metallzähne, was den Bewegungsablauf in der Mechanik beeinflusste und zum Stillstand führte. Mehrere Jahre altes Fett und Staub setzten der Uhr ebenso zu. „Nun wissen wir, warum in Gadebusch an der Turmuhr zwischen 6 und 7 Uhr die Zeit stehen blieb“, meint Sterzik.

Das komplette Uhrenwerk wurde gereinigt, die fehlenden Zähne ersetzt. Ähnlich wie beim Zahnarzt erhielt das Hauptzahnrad ein Implantat. Godemann: „Kein Titan, sondern Messing.“ Bei so viel Liebe zum Detail zeigt sich Frank Rohmann begeistert: „Eine absolut meisterliche Arbeit. Ich ziehe den Hut vor so viel handwerklichem Geschick.“

Damit sind die Tage des Stillstands gezählt. Besucher, die aus Süden und Westen nach Gadebusch einreisen und auf die Turmuhr schauen, dürfen der Zeitangabe am Kirchturm wieder vollends vertrauen. Durch den zeitgleichen Tausch des Bewegungsmelders funktioniert sogar die Glocke wieder. Rohmann, der übers Jahr zahlreichen Touristen an die Gedenkstätte Wakenstädt und in die Kirche führt, sieht in der erfolgreichen Reparatur der Uhr einen wesentlichen Beitrag für eine attraktive Stadt: „Ob Schweden oder Dänen, die Besucher schauen immer auf die Uhr am Turm.“ Bedauerlich finden Rohmann und Sterzik, dass das alte Uhrwerk als technisches Denkmal nicht mehr vorhanden ist. Ebenso fehlen die Außenglocken, die vom Gebäude der Sparkasse einst sichtbar waren. „Jetzt suchen wir alte Fotos, die diese Glocken zeigen und Hinweise auf das Uhrwerk“, sagt Rohmann. Reiner Sterzik hält es durchaus für denkbar, dass „mit der Sanierung des Kirchturmes 1994/95 Uhrwerk und Glocken verschwunden sind“.

von Volker Bohlmann (Gadebuscher-Rehnaer Zeitung, 22.12.2014)

Entwurf: So könnte die Ausstellung in der Hallenkirche zu Gadebusch im Jahr 2017 aussehen. Kirche und Förderverein erarbeiten dafür ein Konzept.

Entwurf: So könnte die Ausstellung in der Hallenkirche zu Gadebusch im Jahr 2017 aussehen. Kirche und Förderverein erarbeiten dafür ein Konzept.

Die Bemühungen der Kirchgemeinde Gadebusch und des Förderverein der Kirche für eine stärkere Einbindung der alten Münzstadt Gadebusch in einen Aktionsplan im Reformationsjahr 2017 gehen in eine entscheidende Phase. Noch im Dezember sollen die Stadtvertreter von Gadebusch die Weichen für eine überregionale bedeutsame Ausstellung innerhalb der Stadt Gadebusch als auch für eine Präsentation der Kleinstadt in MV und darüber hinaus stellen. „Wir haben über die Sommermonate weiter am Konzept gearbeitet und möchten das Projekt Reformationstaler gerne als Regionalprojekt in den Ideenwettbewerb der Mecklenburger Schaalseregion platzieren“, sagt Initiator Gerhard Schotte. Gelingt die Aufnahme dürfte die Finanzierung in Teilen als gesichert gelten, erhält die Region Gadebusch ein nicht unbedeutendes Aushängeschild für die touristische Arbeit.

Dass sich das Vorhaben Münzschläger am Rathaus derart weiterentwickelt, hat selbst Ideengeber Gerhard Schotte nicht gedacht. So erwuchs daraus in den vergangenen Jahren eine Ausstellungsidee und fand mit der Kirchgemeinde und dem Förderverein weitere Unterstützer in Gadebusch. „Im Dezember wollen wir das Präsentationskonzept den Stadtvertretern vorstellen und breiter aufstellen“, sagt Schotte.

Neben einer Ausstellung über die Münzstadt, Münzschlägern und den in Gadebusch geprägten Reformationstaler könnte die Ausstellung um die stadtgeschichtliche Entwicklung auf Stelen an historischen Orten eine Erweiterung erfahren. Dazu gehören die erste Schule von Gadebusch, die um 1554 in der Kirche eingerichtet wurde. „Auf den Stelen befinden sich Tafeln in deutsch und englisch, die den Besuchern Informationen geben“, sagt Schotte.

Die Chancen auf einen Konsens stehen gut. Stadt als auch die Nordkirche sind seit längerer Zeit Teilnehmer der Gesprächs- und Planungsrunden für Aktionen zum Reformationsjahr.

Dr. Mitchell Grell, Koordinator der Nordkirche für das Reformationsjahr in Mecklenburg-Vorpommern sieht Gadebusch mit im Boot. Somit könnte sich die Münzstadt auf Augenhöhe an der Seite von Rostock, Greifswald, Sternberg (Ausrufung des Protestantismus) einreihen. „Ich gehe davon aus, dass wir in zirka zwei Woche bereits eine Feinkonzeptionierung innerhalb unserer Arbeitsgruppe vorgenommen haben“, sagt der Gadebuscher Gerhard Schotte.

von Volker Bohlmann (Gadebuscher-Rehnaer Zeitung, 25.09.2014)

Steht still: die Kirchturmuhr

Steht still: die Kirchturmuhr

Wer in Gadebusch am Kirchturm nach der richtigen Uhrzeit Ausschau hält, der hat die Qual der Wahl. Zwei Uhrwerke, zwei Ziffernblätter, zwei Zeitangaben und Stillstand signalisiert der Zeitmesser am Turm.
Stillstand ist aber nicht das, was Frank Rohmann und mit ihm engagierte Bürger aus Gadebusch und Rehna wollen. „Die Uhr muss für Touristen und Einheimische die richtige Zeit angeben“, sagt Rohmann.

Ein Thema, das dem Förderverein der Stadtkirche zu Gadebusch nicht weniger am Herzen liegt, betont der Vorsitzende Reiner Sterzik. Also rauf auf den Turm und reingeschaut, lautete das Motto. Gunter Godemann und Paul Zelinski begleiteten die Akteure als Fachleute für Uhrenwerke. „Wir wollen schauen, was machbar ist“, sagt Gunter Godemann. Der Meister seines Faches will sehen, an welcher sensiblen Stelle das Uhrwerk nicht mehr richtig tickt oder gar ein falscher Impuls die Uhr fehl steuert.

Aber ganz so einfach ist es nicht im historischen Gemäuer von Gadebusch. Nicht wenige Winkel und Nischen erschweren das Vorankommen. Nach zahlreichen Stein- und Holzstufen stellt sich schlichtweg die Frage: „Wo ist das Uhrwerk?“ Balken, Kabel und Schächte sind sichtbar, aber das eigentliche Herzstück der Turmuhr bleibt auf dem ersten Blick verborgen. Zumindest solange, bis Gunter Godemann in eine kleine und kaum wahrnehmbaren Nische hinter einem Trägerbalken greift. „Ich hab es“, sagt der Rehnaer mit Freude. „Aber einfach wird die Arbeit nicht“, fügt er hinzu. Grund: Das Uhrwerk liegt tief im Gemäuer. Entmutigen lässt sich niemand beim Kontrollgang auf dem Kirchturm. Man wolle es ausbauen und prüfen, was machbar ist, sagt der Rehnaer Uhrmacher.

Hilfe, die vorerst keine Kosten verursacht. Das freut Reiner Sterzik: „Das Uhrenproblem ist lange Zeit bekannt, aber bei der Fülle von anstehenden Projekten haben Restaurierungen am Triumphbogen Priorität.“ Bislang ging der Förderverein von einem Defekt in der Elektronik aus, dass möglicherweise ein Gewitter das elektrische Uhrwerk beschädigt hat. Wie und was den Stillstand verursachte, werden Gunter Godemann und Paul Zelinski noch im September erkunden. Fest steht: Die Uhren werden nicht zentral gesteuert, Elektronik und Mechanik befinden sich dicht am äußeren Stein. Folglich haben Wettereinflüsse die Technik geschädigt. „Gelingt uns der Ausbau ohne Zeigerwechsel an der Außenwand, haben wir einen besseren Einblick“, so Godemann.

Ein Ergebnis, das Frank Rohmann fürs Erste zufrieden stellt: „Wir haben einen Anfang.“ Ähnlich sah es einst sein Vater. Karl Rohmann habe in den Nachkriegsjahren die Turmuhr zum Laufen gebracht und gusseiserne Glocken aus Apolda geholt. „Bis zur Wende gehörte die Uhr der Stadt. Heute der Kirche, so sind die Gesetze“, sagt Frank Rohmann. Egal wer der Eigentümer ist. Frank Rohmann, Reiner Sterzik, Paul Zelinski und Gunter Godemann wollen für Gadebusch die Uhr in Gang setzen.

von Volker Bohlmann (Gadebuscher-Rehnaer Zeitung, 11.04.2014)

Reformationsjahr 2017: Begehbare Schau in der Stadtkirche geplant / Förderverein der Kirche gewährt Einblick ins Konzept
Entwurf: So könnte die Ausstellung in der Hallenkirche zu Gadebusch im Jahr 2017 aussehen. Kirche und Förderverein erarbeiten dafür ein Konzept.

Entwurf: So könnte die Ausstellung in der Hallenkirche zu Gadebusch im Jahr 2017 aussehen. Kirche und Förderverein erarbeiten dafür ein Konzept.

Der Streit um den Abendmahlkelch von Gadebusch, die Herzöge Johann Albrecht I. und Christoph zu Mecklenburg in Lebensgröße, Vitrinen mit minimalistischen Ausstellungstücken – das Projekt Mecklenburger Reformationstaler nimmt wenige Tage nach den ersten intensiven Gesprächen mit dem Sprengelbeauftragten des Evangelischen-Lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg, Dr. Mitchell Grell, Gestalt an. Initiator Dr. Gerhard Schotte, Mitglieder des Fördervereins der Kirche zu Gadebusch und Grell besprachen gestern ein mögliches Ausstellungskonzept für Gadebusch anlässlich 500 Jahre Reformation im Jahr 2017.

Der im Jahr 1549 in Gadebusch geprägte Taler steht dabei im Mittelpunkt der Schau mit mehr als zwei Meter hohen Ausstellungstafeln. „Wir möchten großformatige Bilder von den Herzögen zeigen, die bestimmend waren für Gadebusch. Dazu zählen Johann Albrecht der I., der den Reformationstaler prägen ließ und Herzog Christoph von Mecklenburg, der in den Jahren 1571 bis 1573 das Schloss erbaute“, so Schotte.

Zweifel an der Bedeutung des Reformationstalers aus der Gadebuscher Münze hat niemand. „Der Erscheinungstag des Talers liegt zeitlich eng am Ereignis, als 1549 der Sternberger Landtag den Protestantismus für Mecklenburg aussprach“, sagt Schotte.

Das Wirken der Herzöge war für die Geschichte von Gadebusch von Bedeutung. Spuren finden sich in der Kirche als auch auf dem Schlossberg. 1611 zog der letzte Herzog von Gadebusch aus. Damit verlor Gadebusch seinen Status. Geblieben ist ein kleines Ackerbürgerstädtchen. „Aus heutiger Sicht mit interessanter Architektur und Geschichte aus vielen Jahrhunderten“, meint Schotte. Er hofft weitere Mitstreiter für das geschichtsträchtige und touristisch wertvolle Projekt in Gadebusch zu finden.

von Volker Bohlmann (Gadebuscher-Rehnaer Zeitung, 09.04.2014)

Ein Taler mit Geschichte

(v.l.): Pastorin Ariane Baier, Gerhard Schotte, Dr. Michael Grell, Ulrich Howest, Karl-Heinz Hubert und Reiner Sterzik

(v.l.): Pastorin Ariane Baier, Gerhard Schotte, Dr. Michael Grell, Ulrich Howest, Karl-Heinz Hubert und Reiner Sterzik

Gadebusch plant im Luther-Jahr 2017 die Neuprägung des „Reformationstalers“ von 1549

In drei Jahren feiert Mecklenburg-Vorpommern 500 Jahre Reformation und Gadebusch wird im Luther-Jahr womöglich einen entscheidenden Beitrag leisten: eine Neuauflage des Reformationstalers. Ein Projekt, das Initiator Gerhard Schotte seit Monaten bewirbt, mit Erfolg. Nicht zuletzt handelt es sich beim so genannten Reformationstaler um ein Produkt aus der Gadebuscher Münze, die einst Bernhart Jungkeling als Meister seines Fachs unter der Regie von Herzog Johann Albrecht I von Mecklenburg betrieb und im Jahr 1549 den Reformationstaler herausbrachte.

Dr. Mitchell Grell, Sprengelbeauftragter Mecklenburg und Pommern vom Evangelischen-Lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg, hat jetzt die Gadebuscher Ambitionen unter die Lupe genommen. Er knüpft und hält die Kontakte zwischen den bundesweiten Akteuren rund um das historische Ereignis 500 Jahre Reformation – als Martin Luther im Jahr 1517 seine Thesen in Wittenberg veröffentlichte.

Die Zeit der Reformation, sie lässt sich in dem heute beschaulichen und damals bedeutsamen Gadebusch mit einigen Geschichten beschreiben; von der Münzprägung bis hin zum Streit zweier Kirchenbediensteter über die Folgen der Reformation.

„Interessante Details und ein wunderbares Projekt“, so Grell, der hinsichtlich guter Vorhaben für schnelles Handel plädiert. „Wir wollen das Grundanliegen der Reformation den Menschen in der heutigen Zeit näher bringen. Dabei ist es hilfreich, Formate zu finden die viele Leute ansprechen“, sagt der Kirchenbeauftragte. Der Reformationstaler ist zweifelsohne ein Schlüsselprojekt.

Gadebusch als Münzstadt sowie der historisch belegte Taler stechen dabei heraus. Folglich besteht die Chance, dass sich die Stadt im Land MV gut platziert. Bereits gelistet sind Kommunen wie Greifswald und Neubrandenburg als auch die Hansestadt Rostock, die mit einem Schlüter-Fest und Theaterstücken in den Straßen an den Reformator erinnern will. „Es sind die Projekte von unten, die besonders herausstechen. Sie entstehen ohne das Zutun von Politik und Kirche“, meint Mitchell Grell. Für das Großereignis „Reformation“ stehen laut Grell bei Bund und Land Mittel in Höhe mehrerer Millionen Euro zur Verfügung.

Die Arbeitsgruppe in Gadebusch – Pastorin Ariane Baier, Reiner Sterzik, Karl-Heinz Hubert, Bürgermeister Ulrich Howest und Gerhard Schotte – lässt an ihrem Engagement in Gadebusch keinerlei Zweifel aufkommen. Ariane Baier erachtet es als wichtig, wenn „die Jugend zur Reformation in der Ortsgeschichte forscht und ihr Verständnis davon in die Schulen trägt“. Darüber hinaus wird am Konzept einer Ausstellung gearbeitet.

Völlig unabhängig davon, welche Prägung das Reformationstaler-Projekt im Land erhalten wird, in Gadebusch steht der Titel des Münzfest-Talers 2017 fest, selbst wenn Autoren von Kunstbüchern den Schriftzug des Talers als nicht reformatorisch genug sehen: „Herr gib keine Freude den Feinden Deines Wortes“.

Schotte als auch der Sprengelbeauftragte Grell stufen die Kombination von Schriftzug und Abbild des Herzog Johann Albrecht auf der Münze als Glaubensbekenntnis und deutlichen Hinweis auf eine Abkehr von der katholischen hin zur lutherischen Lehre in Mecklenburg ein. „Der Taler ist ein Zeichen des Trotzes gewesen“, so Mitchell Grell.

Weitere Spuren finden sich für Schotte in den Terrakotten, den Darstellungen am Hauptportal des Schlosses.

Über den Umfang einer Ausstellung in Gadebusch und Finanzfragen will die Arbeitsgruppe beraten. Sie kommt am Dienstag erneut zusammen.

von Volker Bohlmann (Gadebuscher-Rehnaer Zeitung, 06.04.2014)

Reformationstaler Nachprägung

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