Entwurf: So könnte die Ausstellung in der Hallenkirche zu Gadebusch im Jahr 2017 aussehen. Kirche und Förderverein erarbeiten dafür ein Konzept.

Entwurf: So könnte die Ausstellung in der Hallenkirche zu Gadebusch im Jahr 2017 aussehen. Kirche und Förderverein erarbeiten dafür ein Konzept.

Die Bemühungen der Kirchgemeinde Gadebusch und des Förderverein der Kirche für eine stärkere Einbindung der alten Münzstadt Gadebusch in einen Aktionsplan im Reformationsjahr 2017 gehen in eine entscheidende Phase. Noch im Dezember sollen die Stadtvertreter von Gadebusch die Weichen für eine überregionale bedeutsame Ausstellung innerhalb der Stadt Gadebusch als auch für eine Präsentation der Kleinstadt in MV und darüber hinaus stellen. „Wir haben über die Sommermonate weiter am Konzept gearbeitet und möchten das Projekt Reformationstaler gerne als Regionalprojekt in den Ideenwettbewerb der Mecklenburger Schaalseregion platzieren“, sagt Initiator Gerhard Schotte. Gelingt die Aufnahme dürfte die Finanzierung in Teilen als gesichert gelten, erhält die Region Gadebusch ein nicht unbedeutendes Aushängeschild für die touristische Arbeit.

Dass sich das Vorhaben Münzschläger am Rathaus derart weiterentwickelt, hat selbst Ideengeber Gerhard Schotte nicht gedacht. So erwuchs daraus in den vergangenen Jahren eine Ausstellungsidee und fand mit der Kirchgemeinde und dem Förderverein weitere Unterstützer in Gadebusch. „Im Dezember wollen wir das Präsentationskonzept den Stadtvertretern vorstellen und breiter aufstellen“, sagt Schotte.

Neben einer Ausstellung über die Münzstadt, Münzschlägern und den in Gadebusch geprägten Reformationstaler könnte die Ausstellung um die stadtgeschichtliche Entwicklung auf Stelen an historischen Orten eine Erweiterung erfahren. Dazu gehören die erste Schule von Gadebusch, die um 1554 in der Kirche eingerichtet wurde. „Auf den Stelen befinden sich Tafeln in deutsch und englisch, die den Besuchern Informationen geben“, sagt Schotte.

Die Chancen auf einen Konsens stehen gut. Stadt als auch die Nordkirche sind seit längerer Zeit Teilnehmer der Gesprächs- und Planungsrunden für Aktionen zum Reformationsjahr.

Dr. Mitchell Grell, Koordinator der Nordkirche für das Reformationsjahr in Mecklenburg-Vorpommern sieht Gadebusch mit im Boot. Somit könnte sich die Münzstadt auf Augenhöhe an der Seite von Rostock, Greifswald, Sternberg (Ausrufung des Protestantismus) einreihen. „Ich gehe davon aus, dass wir in zirka zwei Woche bereits eine Feinkonzeptionierung innerhalb unserer Arbeitsgruppe vorgenommen haben“, sagt der Gadebuscher Gerhard Schotte.

von Volker Bohlmann (Gadebuscher-Rehnaer Zeitung, 25.09.2014)

Steht still: die Kirchturmuhr

Steht still: die Kirchturmuhr

Wer in Gadebusch am Kirchturm nach der richtigen Uhrzeit Ausschau hält, der hat die Qual der Wahl. Zwei Uhrwerke, zwei Ziffernblätter, zwei Zeitangaben und Stillstand signalisiert der Zeitmesser am Turm.
Stillstand ist aber nicht das, was Frank Rohmann und mit ihm engagierte Bürger aus Gadebusch und Rehna wollen. „Die Uhr muss für Touristen und Einheimische die richtige Zeit angeben“, sagt Rohmann.

Ein Thema, das dem Förderverein der Stadtkirche zu Gadebusch nicht weniger am Herzen liegt, betont der Vorsitzende Reiner Sterzik. Also rauf auf den Turm und reingeschaut, lautete das Motto. Gunter Godemann und Paul Zelinski begleiteten die Akteure als Fachleute für Uhrenwerke. „Wir wollen schauen, was machbar ist“, sagt Gunter Godemann. Der Meister seines Faches will sehen, an welcher sensiblen Stelle das Uhrwerk nicht mehr richtig tickt oder gar ein falscher Impuls die Uhr fehl steuert.

Aber ganz so einfach ist es nicht im historischen Gemäuer von Gadebusch. Nicht wenige Winkel und Nischen erschweren das Vorankommen. Nach zahlreichen Stein- und Holzstufen stellt sich schlichtweg die Frage: „Wo ist das Uhrwerk?“ Balken, Kabel und Schächte sind sichtbar, aber das eigentliche Herzstück der Turmuhr bleibt auf dem ersten Blick verborgen. Zumindest solange, bis Gunter Godemann in eine kleine und kaum wahrnehmbaren Nische hinter einem Trägerbalken greift. „Ich hab es“, sagt der Rehnaer mit Freude. „Aber einfach wird die Arbeit nicht“, fügt er hinzu. Grund: Das Uhrwerk liegt tief im Gemäuer. Entmutigen lässt sich niemand beim Kontrollgang auf dem Kirchturm. Man wolle es ausbauen und prüfen, was machbar ist, sagt der Rehnaer Uhrmacher.

Hilfe, die vorerst keine Kosten verursacht. Das freut Reiner Sterzik: „Das Uhrenproblem ist lange Zeit bekannt, aber bei der Fülle von anstehenden Projekten haben Restaurierungen am Triumphbogen Priorität.“ Bislang ging der Förderverein von einem Defekt in der Elektronik aus, dass möglicherweise ein Gewitter das elektrische Uhrwerk beschädigt hat. Wie und was den Stillstand verursachte, werden Gunter Godemann und Paul Zelinski noch im September erkunden. Fest steht: Die Uhren werden nicht zentral gesteuert, Elektronik und Mechanik befinden sich dicht am äußeren Stein. Folglich haben Wettereinflüsse die Technik geschädigt. „Gelingt uns der Ausbau ohne Zeigerwechsel an der Außenwand, haben wir einen besseren Einblick“, so Godemann.

Ein Ergebnis, das Frank Rohmann fürs Erste zufrieden stellt: „Wir haben einen Anfang.“ Ähnlich sah es einst sein Vater. Karl Rohmann habe in den Nachkriegsjahren die Turmuhr zum Laufen gebracht und gusseiserne Glocken aus Apolda geholt. „Bis zur Wende gehörte die Uhr der Stadt. Heute der Kirche, so sind die Gesetze“, sagt Frank Rohmann. Egal wer der Eigentümer ist. Frank Rohmann, Reiner Sterzik, Paul Zelinski und Gunter Godemann wollen für Gadebusch die Uhr in Gang setzen.

von Volker Bohlmann (Gadebuscher-Rehnaer Zeitung, 11.04.2014)

Reformationsjahr 2017: Begehbare Schau in der Stadtkirche geplant / Förderverein der Kirche gewährt Einblick ins Konzept
Entwurf: So könnte die Ausstellung in der Hallenkirche zu Gadebusch im Jahr 2017 aussehen. Kirche und Förderverein erarbeiten dafür ein Konzept.

Entwurf: So könnte die Ausstellung in der Hallenkirche zu Gadebusch im Jahr 2017 aussehen. Kirche und Förderverein erarbeiten dafür ein Konzept.

Der Streit um den Abendmahlkelch von Gadebusch, die Herzöge Johann Albrecht I. und Christoph zu Mecklenburg in Lebensgröße, Vitrinen mit minimalistischen Ausstellungstücken – das Projekt Mecklenburger Reformationstaler nimmt wenige Tage nach den ersten intensiven Gesprächen mit dem Sprengelbeauftragten des Evangelischen-Lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg, Dr. Mitchell Grell, Gestalt an. Initiator Dr. Gerhard Schotte, Mitglieder des Fördervereins der Kirche zu Gadebusch und Grell besprachen gestern ein mögliches Ausstellungskonzept für Gadebusch anlässlich 500 Jahre Reformation im Jahr 2017.

Der im Jahr 1549 in Gadebusch geprägte Taler steht dabei im Mittelpunkt der Schau mit mehr als zwei Meter hohen Ausstellungstafeln. „Wir möchten großformatige Bilder von den Herzögen zeigen, die bestimmend waren für Gadebusch. Dazu zählen Johann Albrecht der I., der den Reformationstaler prägen ließ und Herzog Christoph von Mecklenburg, der in den Jahren 1571 bis 1573 das Schloss erbaute“, so Schotte.

Zweifel an der Bedeutung des Reformationstalers aus der Gadebuscher Münze hat niemand. „Der Erscheinungstag des Talers liegt zeitlich eng am Ereignis, als 1549 der Sternberger Landtag den Protestantismus für Mecklenburg aussprach“, sagt Schotte.

Das Wirken der Herzöge war für die Geschichte von Gadebusch von Bedeutung. Spuren finden sich in der Kirche als auch auf dem Schlossberg. 1611 zog der letzte Herzog von Gadebusch aus. Damit verlor Gadebusch seinen Status. Geblieben ist ein kleines Ackerbürgerstädtchen. „Aus heutiger Sicht mit interessanter Architektur und Geschichte aus vielen Jahrhunderten“, meint Schotte. Er hofft weitere Mitstreiter für das geschichtsträchtige und touristisch wertvolle Projekt in Gadebusch zu finden.

von Volker Bohlmann (Gadebuscher-Rehnaer Zeitung, 09.04.2014)

Ein Taler mit Geschichte

(v.l.): Pastorin Ariane Baier, Gerhard Schotte, Dr. Michael Grell, Ulrich Howest, Karl-Heinz Hubert und Reiner Sterzik

(v.l.): Pastorin Ariane Baier, Gerhard Schotte, Dr. Michael Grell, Ulrich Howest, Karl-Heinz Hubert und Reiner Sterzik

Gadebusch plant im Luther-Jahr 2017 die Neuprägung des „Reformationstalers“ von 1549

In drei Jahren feiert Mecklenburg-Vorpommern 500 Jahre Reformation und Gadebusch wird im Luther-Jahr womöglich einen entscheidenden Beitrag leisten: eine Neuauflage des Reformationstalers. Ein Projekt, das Initiator Gerhard Schotte seit Monaten bewirbt, mit Erfolg. Nicht zuletzt handelt es sich beim so genannten Reformationstaler um ein Produkt aus der Gadebuscher Münze, die einst Bernhart Jungkeling als Meister seines Fachs unter der Regie von Herzog Johann Albrecht I von Mecklenburg betrieb und im Jahr 1549 den Reformationstaler herausbrachte.

Dr. Mitchell Grell, Sprengelbeauftragter Mecklenburg und Pommern vom Evangelischen-Lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg, hat jetzt die Gadebuscher Ambitionen unter die Lupe genommen. Er knüpft und hält die Kontakte zwischen den bundesweiten Akteuren rund um das historische Ereignis 500 Jahre Reformation – als Martin Luther im Jahr 1517 seine Thesen in Wittenberg veröffentlichte.

Die Zeit der Reformation, sie lässt sich in dem heute beschaulichen und damals bedeutsamen Gadebusch mit einigen Geschichten beschreiben; von der Münzprägung bis hin zum Streit zweier Kirchenbediensteter über die Folgen der Reformation.

„Interessante Details und ein wunderbares Projekt“, so Grell, der hinsichtlich guter Vorhaben für schnelles Handel plädiert. „Wir wollen das Grundanliegen der Reformation den Menschen in der heutigen Zeit näher bringen. Dabei ist es hilfreich, Formate zu finden die viele Leute ansprechen“, sagt der Kirchenbeauftragte. Der Reformationstaler ist zweifelsohne ein Schlüsselprojekt.

Gadebusch als Münzstadt sowie der historisch belegte Taler stechen dabei heraus. Folglich besteht die Chance, dass sich die Stadt im Land MV gut platziert. Bereits gelistet sind Kommunen wie Greifswald und Neubrandenburg als auch die Hansestadt Rostock, die mit einem Schlüter-Fest und Theaterstücken in den Straßen an den Reformator erinnern will. „Es sind die Projekte von unten, die besonders herausstechen. Sie entstehen ohne das Zutun von Politik und Kirche“, meint Mitchell Grell. Für das Großereignis „Reformation“ stehen laut Grell bei Bund und Land Mittel in Höhe mehrerer Millionen Euro zur Verfügung.

Die Arbeitsgruppe in Gadebusch – Pastorin Ariane Baier, Reiner Sterzik, Karl-Heinz Hubert, Bürgermeister Ulrich Howest und Gerhard Schotte – lässt an ihrem Engagement in Gadebusch keinerlei Zweifel aufkommen. Ariane Baier erachtet es als wichtig, wenn „die Jugend zur Reformation in der Ortsgeschichte forscht und ihr Verständnis davon in die Schulen trägt“. Darüber hinaus wird am Konzept einer Ausstellung gearbeitet.

Völlig unabhängig davon, welche Prägung das Reformationstaler-Projekt im Land erhalten wird, in Gadebusch steht der Titel des Münzfest-Talers 2017 fest, selbst wenn Autoren von Kunstbüchern den Schriftzug des Talers als nicht reformatorisch genug sehen: „Herr gib keine Freude den Feinden Deines Wortes“.

Schotte als auch der Sprengelbeauftragte Grell stufen die Kombination von Schriftzug und Abbild des Herzog Johann Albrecht auf der Münze als Glaubensbekenntnis und deutlichen Hinweis auf eine Abkehr von der katholischen hin zur lutherischen Lehre in Mecklenburg ein. „Der Taler ist ein Zeichen des Trotzes gewesen“, so Mitchell Grell.

Weitere Spuren finden sich für Schotte in den Terrakotten, den Darstellungen am Hauptportal des Schlosses.

Über den Umfang einer Ausstellung in Gadebusch und Finanzfragen will die Arbeitsgruppe beraten. Sie kommt am Dienstag erneut zusammen.

von Volker Bohlmann (Gadebuscher-Rehnaer Zeitung, 06.04.2014)

Reformationstaler Nachprägung

Jetzt erhältlich