Die Ausstellung „Mecklenburgischer Reformationstaler 1549“ wurde heute in der Stadtkirche Gadebusch feierlich eröffnet. In ihr wird die Zeit vor der Reformation in Europa, die Reformation in Deutschland, Mecklenburg und in Gadebusch erzählt. Initiator der Ausstellung ist Dr. Gerhard Schotte. Dem Gadebuscher galt dann auch der besondere Dank der gut 100 Besucher der Vernissage. „Es ist außerordentlich bemerkenswert, was hier durch Dr. Schotte und seine Mitstreiter entstanden ist“, sagte Dr. Andreas von Maltzahn. Besonders beeindruckte den Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern die gelungene Verbindung des globalen Ereignisses der Reformation mit der ortstypischen Geschichte. Fazit des Kirchenmannes: „Eine wunderbare Ausstellung.“ Die Geschichte der Reformation ist auf 21 Ausstellungstafeln in Text und Bild ersichtlich. Die Besonderheit, dass hier an der Radegast der Mecklenburger Reformationstaler im Jahr 1549 geprägt wurde, inklusive. Öffnungszeiten: bis zum 31. Oktober dienstags bis sonntags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr.

von Holger Glaner (Gadebusch-Rehnaer Zeitung: 08.06.2017)

Ein goldener Kelch mit den Insignien alten Adels: „14 Kreise auf gegittertem Felde, das Symbol derer von Bülow“, sagt Gerhard Schotte. Der Gadebuscher ist einer der Organisatoren der Ausstellung „500 Jahre Reformation“, die am 7. Juni in der Gadebuscher Stadtkirche öffnet. Der Kelch ist ein Gefäß von ungemeiner geschichtlicher Bedeutung für die alte Münzstadt. „Er steht für den Abendmahlstreit in unserer Kirche“, erzählt Schotte weiter. Eine Geschichte, in der sich der papsttreue katholische Pfarrer und der lutherische Pastor um die neue Ausrichtung der Kirche im Streit gegenüberstehen.

Behutsam schützen Klaus Leuchtemann, Reiner Sterzik und Gerhard Schotte (v.l.) den vergoldeten Kelch aus der Reformationszeit in der Gadebuscher Kirche. Um das besondere Ausstellungsstück ranken sich zahlreiche Geschichten. Der kostbare Kelch wird nur zeitweise ausgestellt. Fotos: Volker Bohlmann


Eine Besonderheit, um die auch Reiner Sterzik vom Förderverein der Kirche zu Gadebusch sowie Gastronom und Mitorganisator Klaus Leuchtemann wissen. Nach vier Jahren Vorbereitungsphase gestalten sie die Ausstellung. „Gerade halten, nach rechts und nun absetzen“ – Klaus Leuchtemann dirigiert seine Mitstreiter beim Absetzen der gläsernen Schutzhaube. Darunter befindet sich zumindest zeitweise der Gadebuscher Kelch. Datiert auf die Reformationszeit 15./16. Jahrhundert und mit Spendengeldern restauriert.

„Wir zeigen nicht allein Historisches, sondern präsentieren Geschichtliches mit aktuellen Bezügen“, sagt Klaus Leuchtemann. Wie das funktionieren kann, das ist auf 21 sehenswert gestalteten Ausstellungstafeln in Text und Bild ersichtlich. Fakten und Anekdoten reihen sich aneinander. Die Geschichte der Münzstadt und die Besonderheit, dass hier an der Radegast der Mecklenburger Reformationstaler im Jahr 1549 geprägt wurde, dürfen nicht fehlen. „Mit diesen Ereignissen und der aktuellen Ausstellung gehört auch Gadebusch zu den geschichtsrelevanten Orten in Deutschland“, so Schotte. Die am 7. Juni öffnende Ausstellung „Die Geschichte der Reformation in Deutschland, Mecklenburg und Gadebusch“ bringt dies auf anschauliche Art und Weise auf den Punkt. Im Jahr 1549 verkündete Herzog Albrecht I. auf dem Sternberger Landtag den Protestantismus. Noch im gleichen Jahr ließ er in Gadebusch den Reformationstaler prägen.

Blick in die Ausstellung in der Kirche

„Die Ausstellung in der Stadtkirche zeigt den historischen Taler, die reformatorische Kunst der Terrakottendarstellung, wie sie am Gadebuscher Schloss zu finden sind“, so Schotte. Auch die Ökumene, das heutige gemeinsame Wirken der katholischen und evangelischen Kirchen wird gezeigt. Darüber hinaus beteiligt sich die schwedische Partnerstadt Åmål an der aktuellen Schau.

Neben dem Organisationsteam erwarten die Stadtväter von Gadebusch eine entsprechende Resonanz auf die Ausstellung. Gadebusch leistet finanzielle Unterstützung, ebenso die Sparkasse für die Nachprägung des Reformationstalers in 999er Silber. Geöffnet ist die Ausstellung vom 7. Juni bis 31. Oktober dienstags bis sonntags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr.

von Volker Bohlmann (Gadebuscher-Rehnaer Zeitung, 31.05.2017)

Benefizkonzert

Benefizkonzert

Ein vielfältiges Programm mit Gesang und Instrumenten stellten die Organisatoren des Benefizkonzertes des Gadebuscher Gymnasiums in der Stadtkirche auf die Beine. Eine kleine Premiere, denn zusammen mit den Jugendlichen sangen die Mitglieder des Probsteichores der Kirchgemeinde.

Da gab es Songs von Eric Clapton und Herbert Grönemeyer ebenso wie Stücke von Antonio Vivaldi und Niccolo Paganini. Der neue Pastor auf Zeit, Dr. Hartwig Kiesow,  begrüßte die Besucher. DR. Gerhard Schotte, Vorstandsmitglied des Fördervereins der Stadtkirche zu Gadebusch betonte, dass es schon das dritte Mal ist, dass der Chor des Gymnasiums in der Kirche zu einem Benefizkonzert auftritt.

Er sei froh über die Verbindung von Schule und Kirche und weist schon auf die nächste Veranstaltung im November hin. Im Rahmen des Reformationsjahres wird die Theatergruppe des Gymnasiums unter Federführung von Herrn Stefan Bullrich ein Lutherstück präsentieren.

Am 7. Juni 2017 wird um 17 Uhr in der Stadtkirche Gadebusch die Ausstellung „Reformationstaler 1549″ eröffnet.

Auf 21 Stellwänden, mehreren Vitrinen und Objekten wird die Zeit vor der Reformation in Europa, die Reformationszeit in Deutschland, in Mecklenburg und auch in Gadebusch in interessanten Darstellungen erzählt. Im Mittelpunkt stehen der Reformationstaler von 1549 und die reformatorische Kunst der Terrakottaplatten des Gadebuscher Schlossportals. Auch das aktuelle Bestreben der Ökumene in unserer Region wird ein Thema sein. Darüber hinaus beteiligt sich unsere schwedische Partnerstadt Amal an dieser umfangreichen Ausstellung.

Die Ausstellung wird bis zum 31. Oktober zu sehen sein.

Öffnungszeiten: Di-So 10-12 und 14-16 Uhr

Das Schloss in Gadebusch ist der jüngste herzogliche Schlossbau, der während der Regierungszeit von Herzog Johann Albrecht I. (1547-1576) entstanden ist. Er dokumentiert unverfälscht den Johann Albrecht–Stil, der eine Sonderstellung in der deutschen Renaissancearchitektur einnimmt. Typisch sind die Schmuckelemente aus Terrakottaplatten, die erstmalig 1555 am Fürstenhof in Wismar und am Schweriner Schloss verwandt wurden. Diese Platten wurden in der Manufaktur des Lübecker Meisters Statius von Düren gebrannt. Das Gadebuscher Schloss wurde 1570/71 unter Verwendung mittelalterlicher Bauteile vom Baumeister Christoph Haubitz für den Herzog Christoph, ein jüngerer Bruder von Johann Albrecht, zu einem Renaissanceschloss umgebaut.
Friese, Pilaster und Gesimse schmücken die Außenfassade. Auf zwei großen Portaleinfassungen sind biblische Szenen dargestellt, eine beliebte Kunstform der Reformation

Sündenfall – Kreuzigung – Auferstehung

Was ist an dieser Kunst reformatorisch?

Für uns heute kaum vorstellbar, aber zur damaligen Zeit hatten die Menschen panische Angst vor dem Fegefeuer und der Hölle. Für all ihre begangenen Sünden mussten sie am Ende ihrer Tage Gottes Urteil fürchten. In ihren Augen war Gott ein drohender, richtender, zorniger Gott.
Auch Martin Luther lebte mit der quälenden Frage, wie kann ich vor Gott gerecht werden und seine Gnade erlangen? Er hungerte, quälte sich, er lebte nach den Gesetzen des Alten Testaments, den 10 Geboten. Doch die erlösende Antwort blieb aus.
Die alte Papstkirche des 15. und 16. Jahrhunderts nutzte die Ängste der Menschen aus und erfand den Ablasshandel. Man konnte sich durch Geld von allen Sünden frei kaufen. Mit Unsummen von Geldern finanzierte der Papst den Bau des Petersdom in Rom und viel Geld wanderte in die eigenen Taschen. Luther war empört. Vom Ablass und dem Sündenerlass stand nichts in der Bibel. Aber in der Bibel fand er die Antwort. (Römerbrief, Lukasevangelium)
Nicht durch irdische Werte, weder Ablass noch Geld kann man das Seelenheil erlangen. Allein durch den Glauben an die Heilige Schrift, an Jesus Christus, seinen Opfertod und die Auferstehung, kann jeder vor Gott gerecht werden.
Da war sie, die lang gesuchte Antwort nach dem gütigen gerechten Gott. Daraus schöpfte er die Kraft, sich gegen Papst und Kaiser zu stellen und damit die Reformation auszulösen.
Wie kein anderer Maler hat es Lucas Cranach, Hofmaler am sächsischen Hof, verstanden, diese reformatorische Lehre ins Bildliche umzusetzen. In den Jahren 1528/29 beschäftigte sich Cranach immer wieder mit dem Thema der Rechtfertigung des Sünders durch den Glauben. Er gab seinen Bildern den Titel GESETZ UND GNADE.
In diesen Bildern sind viele Symbole des Alten und Neuen Testaments zu einer Ikonographie zusammengefasst.

Die linke Seite weist auf das strenge Gesetz des Alten Testaments hin, das den Menschen vor seiner Sündhaftigkeit mahnt. Adam und Eva essen von der Frucht des Baumes der Erkenntnis und übertreten damit Gottes Verbot – das Urbild der Sünde. Im oberen Teil des Bildes, ist die Gesetzesübergabe an Moses zu sehen.
Auf der rechten Seite ist die Gnade Gottes im Neuen Testament dargestellt. Die Szenen zeigen den Opfertod am Kreuz und den Triumph des auferstandenen Christus.
Unter dem Baum des Lebens und des Todes sitzt der sündige Mensch zwischen einem Propheten des Alten Testaments und Johannes dem Täufer, dem Mittler zwischen Gesetz und Gnade. Beide weisen auf das Evangelium im Neuen Testament.

1534 entwirft Erhard Altdorfer, Hofmaler des mecklenburgischen Herzogs, Heinrich der Friedfertige das Titelbild für die plattdeutsche Fassung der Lutherbibel. Er orientiert sich mit seinem Holzschnitt an dem von Cranach geschaffenen protestantischen Lehrbild – Gesetz und Gnade. In seiner Bildkomposition ist das Alte Testament dem Neuen gegenübergestellt,
Die gleiche Thematik ist nun in einer anderen Kunstform am Gadebuscher Schlossportal zu finden. 1553 schuf der Lübecker Bildhauer und Ziegelbrenner die drei Terrakottaplatten, die das Portal zieren. Unschwer ist Luthers Rechtfertigungslehre, auch in Gadebusch zu erkennen.
1611 verließ der letzte Herzog das Gadebuscher Schloss. Erstaunlicher weise hat sich der Terrakottaschmuck bis heute gut erhalten und leuchtet in seiner ursprünglichen kräftigen Farbe.

Text:Gerhard Schotte
Fotos:Hubert Metzger

Reformationstaler von 1549

In der Kirchenzeitung, dem Evangelischen Wochenblatt der Nordkirche Nr. 5 erschien ein Artikel über den Reformationstaler von 1549.

Darin heißt es: Als in Mecklenburg die Reformation eingeführt wurde, ließ der Herzog einen Reformationstaler prägen. Hergestellt wurde er in der Herzoglichen Münzstätte zu Gadebusch. Nun ist eine Nachprägung erhältlich.

Die Nachprägung des Talers ist ein Beitrag des Fördervereins der Stadtkirche zu Gadebusch mit Unterstützung der Stiftung der Sparkasse Mecklenburg Nord-West. Der Erlös des Verkaufs dient einem gemeinnützigen Zweck, der Restaurierung eines Öltafelbildes aus dem 16. Jahrhundert, das den mecklenburgischen Herzog und schwedischen König Albrecht III. (gest. 1412) mit seinem  Sohn Albrecht VII. zeigt.

Der Silbertaler (999 Silber) im Holzetui kostet 50,00 Euro und der altsiberfarben beschichtete Taler kostet im Holzetui 20,00 Euro.

Eine Abbildung des Talers ist in einem Artikel vom 23. Juni 2016 zu sehen.

 

Feierliche Verabschiedung

Mit einem feierlichen Gottesdienst verabschiedete die verbundene Kirchgemeinde Gadebusch-Groß Salitz-Roggendorf gestern Pastorin Ariane Baier. Nach 18 Jahren Dienstzeit wechselt Pastorin Baier an die Domgemeinde Schwerin. Propst Dr. Karl-Matthias Siegert (Wismar) würdigte ihren „hohen persönlichen Einsatz“, den sie für die Kirchgemeinde leistete. Jahre, in denen u.a. die drei Kirchen – Groß Salitz, Gadebusch, Roggendorf – eine bauliche Aufwertung erhielten und die Gemeinden aus dem daraus resultierenden gemeinschaftlichen Wirken die Kraft für neue Herausforderungen schöpften. „Ich bin davon überzeugt, dass diese Arbeit ihre Früchte auch im Nachgang weiter entfalten wird“, so Siegert. Persönlich und mit reichlich Emotionen verabschiedeten die Vertreter der Kirchgemeinderäte, der Förderverein der Kirche zu Gadebusch Ariane Baier mit besten Wünschen und Aufmerksamkeiten. Pastorin Baier bedankte sich für die entgegengebrachte Offenheit, Streitgespräche und für die gemeinsame Arbeit über die Kirchgemeinde hinaus bei der Stadt Gadebusch und den Menschen in der Region.

von Volker Bohlmann (Gadebusch-Rehnaer Zeitung vom 09.01.2017)

Die Mitglieder des Vorstandes des Fördervereins Reiner Sterzik, Karl-Heinz Hubert und Gerhard Schotte überreichten  Pastorin Baier zum Abschied den Reformationstaler in Silber und ein Foto der Terrakotten vom Eingangsportal des Gadebuscher Schlosses.  Frau Baier hatte in der Mitgliederversammlung des Fördervereins im November über die biblische Bedeutung der Terrakotten einen interessanten Vortrag gehalten.

Die Gadebuscher Kirche hat ihr ältestes Inventarstück zurück, ein zirka 800 Jahre altes Taufbecken. Gerhard Schotte und Reiner Sterzik vom Förderverein der Kirche freuten sich über die Platzierung in der Königskapelle. Ein Selmsdorfer Unternehmen fertigte für das aus Kaltstein der Insel Gotland bestehende Becken eine Säule aus dem schwedischen Gestein. Am 2. Weihnachtsfeiertag erfolgt die Weihe mit anschließender Taufe.

Das Taufbecken steht: Gerhard Schotte, Matthias Bresien und Sven Kawen in der Steinmetzwerkstatt. Fotos: Volker Bohlmann

Ein Podest aus Muschelkalk

Das Taufbecken steht: Gerhard Schotte, Matthias Bresien und Sven Kawen in der Steinmetzwerkstatt. Fotos: Volker Bohlmann

Das Taufbecken steht: Gerhard Schotte, Matthias Bresien und Sven Kawen in der Steinmetzwerkstatt. Fotos: Volker Bohlmann

„Alle gemeinsam! Und jetzt anheben!“, ruft Steinmetz Sven Kawen in der Werkstatt vom Natursteinwerk Rechtglaub-Wolf GmbH in Selmsdorf. Das Unternehmen hat sich auf die Bearbeitung von Steinsorten aus aller Welt spezialisiert. Darunter auch aus Muschelkalk. Ein Stein, wie er auf Gotland vorkommt. Ein weiches Material, aus dem einst das Taufbecken der Gadebuscher Stadtkirche gefertigt wurde. Mehr als 800 Jahre ist das her.

Das Gadebuscher Taufbecken ist kein Leichtgewicht, wie Kawen, der Gadebuscher Gerhard Schotte und Restaurator Matthias Bresien schnell bemerken. Dafür allerdings so besonders, dass es eine Aufwertung erfahren darf und künftig auf einer Kalksteinsäule steht. Ein Projekt, das kulturhistorisch gesehen ein wichtiger Schritt ist. „Es ist sozusagen das älteste Möbelstück der Kirche“, meint Gerhard Schotte vom Förderverein der Kirche zu Gadebusch. Gemeinsam mit Bresien unterstützt er mit ganzer Muskelkraft den Steinmetz.

Nach einigen Anpassungen thront das steinerne Taufbecken auf einem neuen Podest. „Ein Bolzen und Spezialkleber verankert die Teile“, so Sven Kawen.

Die Freude ist groß. Bresien, Schotte und Steinmetz Kawen blicken mit Zuversicht auf das Werk. Altes und Neues, die Mischung sei hervorragend, gibt Schotte zu verstehen. Zumal die neu gefertigte Säule ebenfalls aus Muschelkalk von Gotland besteht.

Die erforderlichen Entwürfe legte einst Architekt Gisbert Wolf vor, der mit der Entdeckung und Freilegung des Taufbeckens im Kirchgemäuer im Jahr 2006 die Initiative startete. Der Förderverein der Kirche Gadebusch und die Dornstiftung in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterstützten die Umsetzung des zirka 2000 Euro teuren Projekts. Das aus Stein gehauene Schmuckstück wird in wenigen Tagen die Königskapelle der Stadtkirche schmücken.

von Volker Bohlmann (Gadebusch-Rehnaer Zeitung, 06.12.2016)

Das Kunstprojekt der Nordkirche „artist in parish“ (Kün23-81192798-23-81203540-1467730896 stler in der Gemeinde) hinterlässt Spuren und beschert Gadebusch eine Kunstschau. In einer vierwöchigen Schaffensphase unter dem Motto „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“ aus dem Lobgesang Marias aus dem Lukasevangelium, schuf Künstler Matthias Kempendorf eindrucksvolle Werke unter dem Dach der Stadtkirche.

Bereits beim Betreten der Kirchen fallen sie sofort auf: die Stühle mit ihren überdimensional langen, dünnen Beinen ganz in weiß. Die Rückenlehne und die Sitzfläche sind mit Pergament bespannt. Das verleiht ihnen eine zusätzliche Leichtigkeit. 40 dieser Stühle findet der Besucher in der ganzen Kirche verteilt. Manche aufrecht stehend, manche halb liegend und manche komplett umgestürzt.

Neben den Stühlen entstanden drei Bilder, die sich harmonisch in drei Nischen einfügen, so als wären sie schon immer dort gewesen und gehörten genau dort hin. „Drei Bilder für drei Frauen, Maria, Miriam und Hanna“, beschreibt Kempendorf die Komposition. Er berichtet von der Entstehung der Bilder. Wofür die verwendeten Zeichen stehen, nämlich die aufrechten Striche, als Verbindung von Himmel und Erde für Maria. Die Zick-Zack-Zeichen als Wasser oder Meer symbolisieren Miriam, die den Lobgesang anstimmte als das israelische Volk trockenen Fußes durch das rote Meer schreiten konnte. Schließlich der Kreis als Zeichen der Fruchtbarkeit für Hanna die Mutter des Propheten Samuel, die ebenfalls Gottes Hilfe für die Schwachen besingt.

Dieses Kunstprojekt der Nordkirche „artist in parish“ läuft unter dem Motto „Magnificat und Luther“. Das Magnificat steht für die lateinische Bezeichnung des ersten Satzes aus dem Lobgesang Marias. „Wir haben uns als eine Kirche in Mecklenburg und Pommern um einen Künstler beworben und glücklicherweise einen der drei begehrten Plätze in dem Projekt erhalten“, erzählt Gerhard Schotte, der Initiator gemeinsam mit Pastorin Ariane Baier.

Zusammen entschieden sie sich dann für Matthias Kempendorf. „Vor allem seine Arbeiten mit dem Pergament gefielen uns sofort“, ergänzt Ariane Baier. Sie seien sehr froh gewesen, dass er dem Leben und Arbeiten in der Gadebuscher Stadtkirche zugestimmt hat.
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„Es war eine große Freude und Ehre, hier in dieser wunderschönen Kirche arbeiten zu können“, fasst Matthias Kempendorf diese vier Wochen zusammen. Er hätte so viele Freiheiten genossen wie nie zuvor und fühlte sich immer getragen in dieser Zeit. Nun laden er und die Kirchgemeinde Besucher ein, sich den Sommer über die Ausstellung anzuschauen. „Überall lässt sich etwas entdecken“, so der gebürtige Hamburger.

von Volker Bohlmann (Gadebuscher-Rehnaer Zeitung, 05.07.2016)

Reformationstaler Nachprägung

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