Am 7. Juni 2017 wird um 17 Uhr in der Stadtkirche Gadebusch die Ausstellung „Reformationstaler 1549″ eröffnet.

Auf 21 Stellwänden, mehreren Vitrinen und Objekten wird die Zeit vor der Reformation in Europa, die Reformationszeit in Deutschland, in Mecklenburg und auch in Gadebusch in interessanten Darstellungen erzählt. Im Mittelpunkt stehen der Reformationstaler von 1549 und die reformatorische Kunst der Terrakottaplatten des Gadebuscher Schlossportals. Auch das aktuelle Bestreben der Ökumene in unserer Region wird ein Thema sein. Darüber hinaus beteiligt sich unsere schwedische Partnerstadt Amal an dieser umfangreichen Ausstellung.

Die Ausstellung wird bis zum 31. Oktober zu sehen sein.

Öffnungszeiten: Di-So 10-12 und 14-16 Uhr

Das Schloss in Gadebusch ist der jüngste herzogliche Schlossbau, der während der Regierungszeit von Herzog Johann Albrecht I. (1547-1576) entstanden ist. Er dokumentiert unverfälscht den Johann Albrecht–Stil, der eine Sonderstellung in der deutschen Renaissancearchitektur einnimmt. Typisch sind die Schmuckelemente aus Terrakottaplatten, die erstmalig 1555 am Fürstenhof in Wismar und am Schweriner Schloss verwandt wurden. Diese Platten wurden in der Manufaktur des Lübecker Meisters Statius von Düren gebrannt. Das Gadebuscher Schloss wurde 1570/71 unter Verwendung mittelalterlicher Bauteile vom Baumeister Christoph Haubitz für den Herzog Christoph, ein jüngerer Bruder von Johann Albrecht, zu einem Renaissanceschloss umgebaut.
Friese, Pilaster und Gesimse schmücken die Außenfassade. Auf zwei großen Portaleinfassungen sind biblische Szenen dargestellt, eine beliebte Kunstform der Reformation

Sündenfall – Kreuzigung – Auferstehung

Was ist an dieser Kunst reformatorisch?

Für uns heute kaum vorstellbar, aber zur damaligen Zeit hatten die Menschen panische Angst vor dem Fegefeuer und der Hölle. Für all ihre begangenen Sünden mussten sie am Ende ihrer Tage Gottes Urteil fürchten. In ihren Augen war Gott ein drohender, richtender, zorniger Gott.
Auch Martin Luther lebte mit der quälenden Frage, wie kann ich vor Gott gerecht werden und seine Gnade erlangen? Er hungerte, quälte sich, er lebte nach den Gesetzen des Alten Testaments, den 10 Geboten. Doch die erlösende Antwort blieb aus.
Die alte Papstkirche des 15. und 16. Jahrhunderts nutzte die Ängste der Menschen aus und erfand den Ablasshandel. Man konnte sich durch Geld von allen Sünden frei kaufen. Mit Unsummen von Geldern finanzierte der Papst den Bau des Petersdom in Rom und viel Geld wanderte in die eigenen Taschen. Luther war empört. Vom Ablass und dem Sündenerlass stand nichts in der Bibel. Aber in der Bibel fand er die Antwort. (Römerbrief, Lukasevangelium)
Nicht durch irdische Werte, weder Ablass noch Geld kann man das Seelenheil erlangen. Allein durch den Glauben an die Heilige Schrift, an Jesus Christus, seinen Opfertod und die Auferstehung, kann jeder vor Gott gerecht werden.
Da war sie, die lang gesuchte Antwort nach dem gütigen gerechten Gott. Daraus schöpfte er die Kraft, sich gegen Papst und Kaiser zu stellen und damit die Reformation auszulösen.
Wie kein anderer Maler hat es Lucas Cranach, Hofmaler am sächsischen Hof, verstanden, diese reformatorische Lehre ins Bildliche umzusetzen. In den Jahren 1528/29 beschäftigte sich Cranach immer wieder mit dem Thema der Rechtfertigung des Sünders durch den Glauben. Er gab seinen Bildern den Titel GESETZ UND GNADE.
In diesen Bildern sind viele Symbole des Alten und Neuen Testaments zu einer Ikonographie zusammengefasst.

Die linke Seite weist auf das strenge Gesetz des Alten Testaments hin, das den Menschen vor seiner Sündhaftigkeit mahnt. Adam und Eva essen von der Frucht des Baumes der Erkenntnis und übertreten damit Gottes Verbot – das Urbild der Sünde. Im oberen Teil des Bildes, ist die Gesetzesübergabe an Moses zu sehen.
Auf der rechten Seite ist die Gnade Gottes im Neuen Testament dargestellt. Die Szenen zeigen den Opfertod am Kreuz und den Triumph des auferstandenen Christus.
Unter dem Baum des Lebens und des Todes sitzt der sündige Mensch zwischen einem Propheten des Alten Testaments und Johannes dem Täufer, dem Mittler zwischen Gesetz und Gnade. Beide weisen auf das Evangelium im Neuen Testament.

1534 entwirft Erhard Altdorfer, Hofmaler des mecklenburgischen Herzogs, Heinrich der Friedfertige das Titelbild für die plattdeutsche Fassung der Lutherbibel. Er orientiert sich mit seinem Holzschnitt an dem von Cranach geschaffenen protestantischen Lehrbild – Gesetz und Gnade. In seiner Bildkomposition ist das Alte Testament dem Neuen gegenübergestellt,
Die gleiche Thematik ist nun in einer anderen Kunstform am Gadebuscher Schlossportal zu finden. 1553 schuf der Lübecker Bildhauer und Ziegelbrenner die drei Terrakottaplatten, die das Portal zieren. Unschwer ist Luthers Rechtfertigungslehre, auch in Gadebusch zu erkennen.
1611 verließ der letzte Herzog das Gadebuscher Schloss. Erstaunlicher weise hat sich der Terrakottaschmuck bis heute gut erhalten und leuchtet in seiner ursprünglichen kräftigen Farbe.

Text:Gerhard Schotte
Fotos:Hubert Metzger

Reformationstaler von 1549

In der Kirchenzeitung, dem Evangelischen Wochenblatt der Nordkirche Nr. 5 erschien ein Artikel über den Reformationstaler von 1549.

Darin heißt es: Als in Mecklenburg die Reformation eingeführt wurde, ließ der Herzog einen Reformationstaler prägen. Hergestellt wurde er in der Herzoglichen Münzstätte zu Gadebusch. Nun ist eine Nachprägung erhältlich.

Die Nachprägung des Talers ist ein Beitrag des Fördervereins der Stadtkirche zu Gadebusch mit Unterstützung der Stiftung der Sparkasse Mecklenburg Nord-West. Der Erlös des Verkaufs dient einem gemeinnützigen Zweck, der Restaurierung eines Öltafelbildes aus dem 16. Jahrhundert, das den mecklenburgischen Herzog und schwedischen König Albrecht III. (gest. 1412) mit seinem  Sohn Albrecht VII. zeigt.

Der Silbertaler (999 Silber) im Holzetui kostet 50,00 Euro und der altsiberfarben beschichtete Taler kostet im Holzetui 20,00 Euro.

Eine Abbildung des Talers ist in einem Artikel vom 23. Juni 2016 zu sehen.

 

Feierliche Verabschiedung

Mit einem feierlichen Gottesdienst verabschiedete die verbundene Kirchgemeinde Gadebusch-Groß Salitz-Roggendorf gestern Pastorin Ariane Baier. Nach 18 Jahren Dienstzeit wechselt Pastorin Baier an die Domgemeinde Schwerin. Propst Dr. Karl-Matthias Siegert (Wismar) würdigte ihren „hohen persönlichen Einsatz“, den sie für die Kirchgemeinde leistete. Jahre, in denen u.a. die drei Kirchen – Groß Salitz, Gadebusch, Roggendorf – eine bauliche Aufwertung erhielten und die Gemeinden aus dem daraus resultierenden gemeinschaftlichen Wirken die Kraft für neue Herausforderungen schöpften. „Ich bin davon überzeugt, dass diese Arbeit ihre Früchte auch im Nachgang weiter entfalten wird“, so Siegert. Persönlich und mit reichlich Emotionen verabschiedeten die Vertreter der Kirchgemeinderäte, der Förderverein der Kirche zu Gadebusch Ariane Baier mit besten Wünschen und Aufmerksamkeiten. Pastorin Baier bedankte sich für die entgegengebrachte Offenheit, Streitgespräche und für die gemeinsame Arbeit über die Kirchgemeinde hinaus bei der Stadt Gadebusch und den Menschen in der Region.

von Volker Bohlmann (Gadebusch-Rehnaer Zeitung vom 09.01.2017)

Die Mitglieder des Vorstandes des Fördervereins Reiner Sterzik, Karl-Heinz Hubert und Gerhard Schotte überreichten  Pastorin Baier zum Abschied den Reformationstaler in Silber und ein Foto der Terrakotten vom Eingangsportal des Gadebuscher Schlosses.  Frau Baier hatte in der Mitgliederversammlung des Fördervereins im November über die biblische Bedeutung der Terrakotten einen interessanten Vortrag gehalten.

Die Gadebuscher Kirche hat ihr ältestes Inventarstück zurück, ein zirka 800 Jahre altes Taufbecken. Gerhard Schotte und Reiner Sterzik vom Förderverein der Kirche freuten sich über die Platzierung in der Königskapelle. Ein Selmsdorfer Unternehmen fertigte für das aus Kaltstein der Insel Gotland bestehende Becken eine Säule aus dem schwedischen Gestein. Am 2. Weihnachtsfeiertag erfolgt die Weihe mit anschließender Taufe.

Das Taufbecken steht: Gerhard Schotte, Matthias Bresien und Sven Kawen in der Steinmetzwerkstatt. Fotos: Volker Bohlmann

Ein Podest aus Muschelkalk

Das Taufbecken steht: Gerhard Schotte, Matthias Bresien und Sven Kawen in der Steinmetzwerkstatt. Fotos: Volker Bohlmann

Das Taufbecken steht: Gerhard Schotte, Matthias Bresien und Sven Kawen in der Steinmetzwerkstatt. Fotos: Volker Bohlmann

„Alle gemeinsam! Und jetzt anheben!“, ruft Steinmetz Sven Kawen in der Werkstatt vom Natursteinwerk Rechtglaub-Wolf GmbH in Selmsdorf. Das Unternehmen hat sich auf die Bearbeitung von Steinsorten aus aller Welt spezialisiert. Darunter auch aus Muschelkalk. Ein Stein, wie er auf Gotland vorkommt. Ein weiches Material, aus dem einst das Taufbecken der Gadebuscher Stadtkirche gefertigt wurde. Mehr als 800 Jahre ist das her.

Das Gadebuscher Taufbecken ist kein Leichtgewicht, wie Kawen, der Gadebuscher Gerhard Schotte und Restaurator Matthias Bresien schnell bemerken. Dafür allerdings so besonders, dass es eine Aufwertung erfahren darf und künftig auf einer Kalksteinsäule steht. Ein Projekt, das kulturhistorisch gesehen ein wichtiger Schritt ist. „Es ist sozusagen das älteste Möbelstück der Kirche“, meint Gerhard Schotte vom Förderverein der Kirche zu Gadebusch. Gemeinsam mit Bresien unterstützt er mit ganzer Muskelkraft den Steinmetz.

Nach einigen Anpassungen thront das steinerne Taufbecken auf einem neuen Podest. „Ein Bolzen und Spezialkleber verankert die Teile“, so Sven Kawen.

Die Freude ist groß. Bresien, Schotte und Steinmetz Kawen blicken mit Zuversicht auf das Werk. Altes und Neues, die Mischung sei hervorragend, gibt Schotte zu verstehen. Zumal die neu gefertigte Säule ebenfalls aus Muschelkalk von Gotland besteht.

Die erforderlichen Entwürfe legte einst Architekt Gisbert Wolf vor, der mit der Entdeckung und Freilegung des Taufbeckens im Kirchgemäuer im Jahr 2006 die Initiative startete. Der Förderverein der Kirche Gadebusch und die Dornstiftung in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterstützten die Umsetzung des zirka 2000 Euro teuren Projekts. Das aus Stein gehauene Schmuckstück wird in wenigen Tagen die Königskapelle der Stadtkirche schmücken.

von Volker Bohlmann (Gadebusch-Rehnaer Zeitung, 06.12.2016)

Das Kunstprojekt der Nordkirche „artist in parish“ (Kün23-81192798-23-81203540-1467730896 stler in der Gemeinde) hinterlässt Spuren und beschert Gadebusch eine Kunstschau. In einer vierwöchigen Schaffensphase unter dem Motto „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“ aus dem Lobgesang Marias aus dem Lukasevangelium, schuf Künstler Matthias Kempendorf eindrucksvolle Werke unter dem Dach der Stadtkirche.

Bereits beim Betreten der Kirchen fallen sie sofort auf: die Stühle mit ihren überdimensional langen, dünnen Beinen ganz in weiß. Die Rückenlehne und die Sitzfläche sind mit Pergament bespannt. Das verleiht ihnen eine zusätzliche Leichtigkeit. 40 dieser Stühle findet der Besucher in der ganzen Kirche verteilt. Manche aufrecht stehend, manche halb liegend und manche komplett umgestürzt.

Neben den Stühlen entstanden drei Bilder, die sich harmonisch in drei Nischen einfügen, so als wären sie schon immer dort gewesen und gehörten genau dort hin. „Drei Bilder für drei Frauen, Maria, Miriam und Hanna“, beschreibt Kempendorf die Komposition. Er berichtet von der Entstehung der Bilder. Wofür die verwendeten Zeichen stehen, nämlich die aufrechten Striche, als Verbindung von Himmel und Erde für Maria. Die Zick-Zack-Zeichen als Wasser oder Meer symbolisieren Miriam, die den Lobgesang anstimmte als das israelische Volk trockenen Fußes durch das rote Meer schreiten konnte. Schließlich der Kreis als Zeichen der Fruchtbarkeit für Hanna die Mutter des Propheten Samuel, die ebenfalls Gottes Hilfe für die Schwachen besingt.

Dieses Kunstprojekt der Nordkirche „artist in parish“ läuft unter dem Motto „Magnificat und Luther“. Das Magnificat steht für die lateinische Bezeichnung des ersten Satzes aus dem Lobgesang Marias. „Wir haben uns als eine Kirche in Mecklenburg und Pommern um einen Künstler beworben und glücklicherweise einen der drei begehrten Plätze in dem Projekt erhalten“, erzählt Gerhard Schotte, der Initiator gemeinsam mit Pastorin Ariane Baier.

Zusammen entschieden sie sich dann für Matthias Kempendorf. „Vor allem seine Arbeiten mit dem Pergament gefielen uns sofort“, ergänzt Ariane Baier. Sie seien sehr froh gewesen, dass er dem Leben und Arbeiten in der Gadebuscher Stadtkirche zugestimmt hat.
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„Es war eine große Freude und Ehre, hier in dieser wunderschönen Kirche arbeiten zu können“, fasst Matthias Kempendorf diese vier Wochen zusammen. Er hätte so viele Freiheiten genossen wie nie zuvor und fühlte sich immer getragen in dieser Zeit. Nun laden er und die Kirchgemeinde Besucher ein, sich den Sommer über die Ausstellung anzuschauen. „Überall lässt sich etwas entdecken“, so der gebürtige Hamburger.

von Volker Bohlmann (Gadebuscher-Rehnaer Zeitung, 05.07.2016)

Eine Holzschatulle und ein Begleitheft zur Geschichte des Talers, der Reformation und zur Stadtkirche Gadebusch gehören zum Taler.

Eine Holzschatulle und ein Begleitheft zur Geschichte des Talers, der Reformation und zur Stadtkirche Gadebusch gehören zum Taler.

Silber oder versilbert– in Mecklenburg-Vorpommern wird der Reformationstaler von Mecklenburg anlässlich 500 Jahre Erneuerung der Kirche im Jahr 2017 in zwei Varianten neu aufgelegt. Möglich wird dies durch eine Nachprägung des aus dem Jahr 1549 stammenden Talers. Damals entstand dieser in der Werkstatt des Gadebuscher Münzmeisters Bernhard Jungkeling.

467 Jahre später gelingt die konzeptionelle und inhaltliche Vorarbeit für die Nachprägung erneut in Gadebusch. Diesmal am Schreibtisch von Gerhard Schotte. „Mit Fertigstellung der Bronzefigur des Münzschlägers am Rathaus begannen die Vorarbeiten. Mehr als drei Jahre beschäftigte sich eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Kirche und der Stadt mit dem Thema“, sagt Schotte.

So hatte Gadebusch im Verlauf der Geschichte als Münzstadt einen höheren Status als die Hansestadt Wismar, denn dort wurde nur städtisches Geld geprägt. Gadebusch hingegen war eine herzogliche Münzstätte. Ein Status, den die Stadt 82 Jahre behielt.

Das Original und die Nachprägung der Münze zeigen Herzog Johann Albrecht I. auf der Vorderseite und rückseitig das Mecklenburger Landeswappen. Unter der Darstellung des Herzogs findet sich der Schriftzug „DOMINE NE DA INIMICIS VERBI TVI LETITIAM“, das so viel bedeutet wie „Herr, gib dass die, welche Dein Wort jetzt verachten, sich zu ihm bekennen und Freude an ihm haben.“ Worte, die 32 Jahre nachdem Luther seine Thesen an das Kirchentor von Wittenberg anschlug, auf den Taler geprägt wurden. Heute gelten diese in Fachkreisen als klares Bekenntnis zur Reformation.

Gerhard Schotte mit einer Nachprägung des Reformationstalers, wie er ab Herbst in limitierter Auflage erhältlich ist.

Gerhard Schotte mit einer Nachprägung des Reformationstalers, wie er ab Herbst in limitierter Auflage erhältlich ist.

Der jüngste Beitrag aus Gadebusch ist eingebunden in landesweite Kunst- und Kulturprojekte im Jubiläumsjahr 2017 und hebt somit auch die Bedeutung der Kleinstadt mit Kirch- und Schlossensemble in Mecklenburg hervor. Bis zur offiziellen Präsentation des Talers werden noch einige Wochen vergehen. Fest steht: „Ab Herbst wird der Taler in einer limitierten Auflage erhältlich sein – 50 in Silber und 200 versilbert“, sagt Schotte.

Herausgeber des Reformationstalers von Mecklenburg sind der Förderverein der Stadtkirche zu Gadebusch mit Unterstützung der Stiftung der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest.

von Volker Bohlmann (Gadebuscher-Rehnaer Zeitung, 23.06.2016)

Der Chorbogen in der Stadtkirche von Gadebusch stammt aus dem Mittelalter.

Der Chorbogen in der Stadtkirche von Gadebusch stammt aus dem Mittelalter.

Zehn Männer, ein Holzbogen mit filigranen Schnitzereien aus dem Mittelalter, den Mut mit all dem Gewicht auf einem schmalen Gerüst zu balancieren und viel Organisationstalent: In Gadebusch wurde das möglich, was einige kulturhistorisch interessierte Bürger kaum noch für möglich hielten. Zum Weihnachtsfest bekam die Stadtkirche Gadebusch ihren mittelalterlichen Chorbogen zurück. Schnitzkunst aus der Gotik, die im Zuge der Reformation vor fast 500 Jahren aus der Kirche zurückgebaut wurden. „Wir freuen uns, dass die Verhandlungen mit dem Landesmuseum erfolgreich verliefen und wir den seit der Sanierung des Hauses gehegten Wunsch erfüllen konnten“, sagt Pastorin Ariane Baier.

Auf zwei Jahre erstreckten sich die Verhandlungen. Bis zum Ergebnis zahlreiche Fragen zur Sicherheit der Dauerleihgabe als auch um den geeigneten Standort endgültig geklärt waren.

Mit Giesbert Wolf als einen sich für die Stadtkirche engagierenden Architekten und Restaurator Peter Jankowski gelang der Kirchgemeinde letztlich, ihrem Gotteshaus die „Krone“ aufzusetzen. „Der Chorbogen ist das i-Tüpfelchen und wertet die Stadtkirche auf“, meint Baier. Es sei einfach schön, dass das Landesmuseum für Mecklenburg diesen Schritt getan habe. „Wir können diese Arbeiten einer spürbar zunehmenden Zahl von Touristen zeigen“, sagt Baier. Nicht zuletzt steht die Stadtkirche von Gadebusch auf der Liste der Denkmäler von nationaler Bedeutung.

Vor der Präsentation am Heiligabend lag die Arbeit. Restaurator Peter Jankowski beschrieb den Zustand der Schnitzereien als desolat. Alle noch vorhandenen 14 Einzelteile fügte er nach umfangreicher Behandlung zu einem Gesamtbild, das heute auf denen von Architekt Giesbert Wolf entworfenen Holzsäulen dem Chorraum ein neues Antlitz gibt. „Anfangs kannte ich den Bogen nur vom Papier, dann war ich skeptisch. Jetzt, wo alle Teile montiert sind, bin ich davon überzeugt, dass die Stadtkirche eine Aufwertung erfahren hat“, sagt Gerhard Schotte. Er gehörte zum zehnköpfigen Aufbauteam, das auf schmalen Gerüstbohlen den Chorbogen an die richtige Position brachte.

Die Geschichte des Chorbogens ist lang. Alle Details ließen sich heute nicht mehr zusammentragen, meint Pastorin Ariane Baier. Das Kunstwerk stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert und war Teil einer Chorschranke, die bis zum Boden reichte. Sie trennte die Sitzreihen der Geistlichkeit vom Volk. Mit der Reformation verschwanden die Bauteile aus der Kirche, und die Trennung wurde aufgehoben. „Der Bogen ist vermutlich noch geblieben, bis im 19. Jahrhundert die Schnitzereien innerhalb der Stadt an verschiedenen Standorten lagerten, unter anderem im Rathaus“, so Ariane Baier. Großherzog Friedrich Franz interessierte sich in dieser Zeit für die Kunstwerke und tauschte die mittelalterlichen Bauteile gegen ein neugotisches Altarbild, das Jesus beim Beten zeigt. Im großherzoglichen Museum und in Schwerin waren die Gadebuscher Chorteile bis ins 20. Jahrhundert ausgestellt. Mit der Neugestaltung der Stadtkirche zwischen 1914/16 fanden sie ihren Weg nicht zurück und verschwanden in den Magazinen des Museums. Nicht wenige Bauteile sind seit dem Mittelalter verschwunden.

 Ein zehnköpfiges Team unterstützte den Aufbau.


Ein zehnköpfiges Team unterstützte den Aufbau.

„Mit der nun abgeschlossenen Sanierung unseres Hauses finden wir gute Bedingungen vor, diese Kulturschätze der Öffentlichkeit zeigen zu können“, sagt Ariane Baier. Möglich wurde dies durch das Engagement der Dom-Liesegang-Stiftung. Sie legte für die Stadtkirche ein Stiftungskapital fest. Die jährlichen Ausschüttungen dienen vor allem dem Erhalt des Bauwerkes und in diesem Jahr der Restauration und dem Aufbau des Chorbogens.

von Volker Bohlmann (Gadebuscher-Rehnaer Zeitung, 27.12.2014)

 Frank Rohmann, Gunter Godemann, Paul Zelinski und Reiner Sterzik (v.l.) setzen sich erfolgreich für die Reparatur der Turmuhr von Gadebusch ein.


Frank Rohmann, Gunter Godemann, Paul Zelinski und Reiner Sterzik (v.l.) setzen sich erfolgreich für die Reparatur der Turmuhr von Gadebusch ein.

Die Zeit des Stillstands, sie ist vorbei. Am Gadebuscher Kirchturm wird wieder die korrekte Uhrzeit angezeigt. „Es war ein Kraftakt“, sagt Rehnas Uhrmachermeister Gunter Godemann, der sich mit Paul Zelinski vor zwei Monaten an die gewünschte Reparatur der Turmuhr heranwagte.

Vom Gedanken eines zügigen Baugruppentausch mussten sich der Uhrmachermeister und Paul Zelinski verabschieden. Stattdessen, war echte Handwerksarbeit gefragt. Am Anfang stand die Demontage der Zeiger in luftiger Höhe.„Anders war kein rankommen ans Uhrenwerk“, sagt Godemann. Folglich wurden durch schmale Öffnungen im Turm von außen Seile an den Uhrzeigern befestigt, diese anschließend von der Achse gelöst, bevor an einer Demontage des Uhrwerkes nur annähernd gedacht werden konnte. Diese Art von Sicherheitsvorkehrung sei notwendig gewesen, damit die Zeiger nicht in die Tiefe stürzten. „Glücklicherweise war all die Arbeit ohne Freiklettern möglich“, meint Godemann und lacht.

Frank Rohmann als Initiator der Reparatur und Reiner Sterzik vom Förderverein der Kirche zeigten sich über den vollen Einsatz erfreut. Immerhin kam mit der Aktion Licht ins Dunkel: Am Stundenrad des Zeitmessers fehlten zwei Metallzähne, was den Bewegungsablauf in der Mechanik beeinflusste und zum Stillstand führte. Mehrere Jahre altes Fett und Staub setzten der Uhr ebenso zu. „Nun wissen wir, warum in Gadebusch an der Turmuhr zwischen 6 und 7 Uhr die Zeit stehen blieb“, meint Sterzik.

Das komplette Uhrenwerk wurde gereinigt, die fehlenden Zähne ersetzt. Ähnlich wie beim Zahnarzt erhielt das Hauptzahnrad ein Implantat. Godemann: „Kein Titan, sondern Messing.“ Bei so viel Liebe zum Detail zeigt sich Frank Rohmann begeistert: „Eine absolut meisterliche Arbeit. Ich ziehe den Hut vor so viel handwerklichem Geschick.“

Damit sind die Tage des Stillstands gezählt. Besucher, die aus Süden und Westen nach Gadebusch einreisen und auf die Turmuhr schauen, dürfen der Zeitangabe am Kirchturm wieder vollends vertrauen. Durch den zeitgleichen Tausch des Bewegungsmelders funktioniert sogar die Glocke wieder. Rohmann, der übers Jahr zahlreichen Touristen an die Gedenkstätte Wakenstädt und in die Kirche führt, sieht in der erfolgreichen Reparatur der Uhr einen wesentlichen Beitrag für eine attraktive Stadt: „Ob Schweden oder Dänen, die Besucher schauen immer auf die Uhr am Turm.“ Bedauerlich finden Rohmann und Sterzik, dass das alte Uhrwerk als technisches Denkmal nicht mehr vorhanden ist. Ebenso fehlen die Außenglocken, die vom Gebäude der Sparkasse einst sichtbar waren. „Jetzt suchen wir alte Fotos, die diese Glocken zeigen und Hinweise auf das Uhrwerk“, sagt Rohmann. Reiner Sterzik hält es durchaus für denkbar, dass „mit der Sanierung des Kirchturmes 1994/95 Uhrwerk und Glocken verschwunden sind“.

von Volker Bohlmann (Gadebuscher-Rehnaer Zeitung, 22.12.2014)

Reformationstaler Nachprägung

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