Ein Podest aus Muschelkalk

Das Taufbecken steht: Gerhard Schotte, Matthias Bresien und Sven Kawen in der Steinmetzwerkstatt. Fotos: Volker Bohlmann

Das Taufbecken steht: Gerhard Schotte, Matthias Bresien und Sven Kawen in der Steinmetzwerkstatt. Fotos: Volker Bohlmann

„Alle gemeinsam! Und jetzt anheben!“, ruft Steinmetz Sven Kawen in der Werkstatt vom Natursteinwerk Rechtglaub-Wolf GmbH in Selmsdorf. Das Unternehmen hat sich auf die Bearbeitung von Steinsorten aus aller Welt spezialisiert. Darunter auch aus Muschelkalk. Ein Stein, wie er auf Gotland vorkommt. Ein weiches Material, aus dem einst das Taufbecken der Gadebuscher Stadtkirche gefertigt wurde. Mehr als 800 Jahre ist das her.

Das Gadebuscher Taufbecken ist kein Leichtgewicht, wie Kawen, der Gadebuscher Gerhard Schotte und Restaurator Matthias Bresien schnell bemerken. Dafür allerdings so besonders, dass es eine Aufwertung erfahren darf und künftig auf einer Kalksteinsäule steht. Ein Projekt, das kulturhistorisch gesehen ein wichtiger Schritt ist. „Es ist sozusagen das älteste Möbelstück der Kirche“, meint Gerhard Schotte vom Förderverein der Kirche zu Gadebusch. Gemeinsam mit Bresien unterstützt er mit ganzer Muskelkraft den Steinmetz.

Nach einigen Anpassungen thront das steinerne Taufbecken auf einem neuen Podest. „Ein Bolzen und Spezialkleber verankert die Teile“, so Sven Kawen.

Die Freude ist groß. Bresien, Schotte und Steinmetz Kawen blicken mit Zuversicht auf das Werk. Altes und Neues, die Mischung sei hervorragend, gibt Schotte zu verstehen. Zumal die neu gefertigte Säule ebenfalls aus Muschelkalk von Gotland besteht.

Die erforderlichen Entwürfe legte einst Architekt Gisbert Wolf vor, der mit der Entdeckung und Freilegung des Taufbeckens im Kirchgemäuer im Jahr 2006 die Initiative startete. Der Förderverein der Kirche Gadebusch und die Dornstiftung in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterstützten die Umsetzung des zirka 2000 Euro teuren Projekts. Das aus Stein gehauene Schmuckstück wird in wenigen Tagen die Königskapelle der Stadtkirche schmücken.

von Volker Bohlmann (Gadebusch-Rehnaer Zeitung, 06.12.2016)

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