Ausstellung in Gadebusch: Der goldene Kelch der Münzstadt

Ein goldener Kelch mit den Insignien alten Adels: „14 Kreise auf gegittertem Felde, das Symbol derer von Bülow“, sagt Gerhard Schotte. Der Gadebuscher ist einer der Organisatoren der Ausstellung „500 Jahre Reformation“, die am 7. Juni in der Gadebuscher Stadtkirche öffnet. Der Kelch ist ein Gefäß von ungemeiner geschichtlicher Bedeutung für die alte Münzstadt. „Er steht für den Abendmahlstreit in unserer Kirche“, erzählt Schotte weiter. Eine Geschichte, in der sich der papsttreue katholische Pfarrer und der lutherische Pastor um die neue Ausrichtung der Kirche im Streit gegenüberstehen.

Behutsam schützen Klaus Leuchtemann, Reiner Sterzik und Gerhard Schotte (v.l.) den vergoldeten Kelch aus der Reformationszeit in der Gadebuscher Kirche. Um das besondere Ausstellungsstück ranken sich zahlreiche Geschichten. Der kostbare Kelch wird nur zeitweise ausgestellt. Fotos: Volker Bohlmann


Eine Besonderheit, um die auch Reiner Sterzik vom Förderverein der Kirche zu Gadebusch sowie Gastronom und Mitorganisator Klaus Leuchtemann wissen. Nach vier Jahren Vorbereitungsphase gestalten sie die Ausstellung. „Gerade halten, nach rechts und nun absetzen“ – Klaus Leuchtemann dirigiert seine Mitstreiter beim Absetzen der gläsernen Schutzhaube. Darunter befindet sich zumindest zeitweise der Gadebuscher Kelch. Datiert auf die Reformationszeit 15./16. Jahrhundert und mit Spendengeldern restauriert.

„Wir zeigen nicht allein Historisches, sondern präsentieren Geschichtliches mit aktuellen Bezügen“, sagt Klaus Leuchtemann. Wie das funktionieren kann, das ist auf 21 sehenswert gestalteten Ausstellungstafeln in Text und Bild ersichtlich. Fakten und Anekdoten reihen sich aneinander. Die Geschichte der Münzstadt und die Besonderheit, dass hier an der Radegast der Mecklenburger Reformationstaler im Jahr 1549 geprägt wurde, dürfen nicht fehlen. „Mit diesen Ereignissen und der aktuellen Ausstellung gehört auch Gadebusch zu den geschichtsrelevanten Orten in Deutschland“, so Schotte. Die am 7. Juni öffnende Ausstellung „Die Geschichte der Reformation in Deutschland, Mecklenburg und Gadebusch“ bringt dies auf anschauliche Art und Weise auf den Punkt. Im Jahr 1549 verkündete Herzog Albrecht I. auf dem Sternberger Landtag den Protestantismus. Noch im gleichen Jahr ließ er in Gadebusch den Reformationstaler prägen.

Blick in die Ausstellung in der Kirche

„Die Ausstellung in der Stadtkirche zeigt den historischen Taler, die reformatorische Kunst der Terrakottendarstellung, wie sie am Gadebuscher Schloss zu finden sind“, so Schotte. Auch die Ökumene, das heutige gemeinsame Wirken der katholischen und evangelischen Kirchen wird gezeigt. Darüber hinaus beteiligt sich die schwedische Partnerstadt Åmål an der aktuellen Schau.

Neben dem Organisationsteam erwarten die Stadtväter von Gadebusch eine entsprechende Resonanz auf die Ausstellung. Gadebusch leistet finanzielle Unterstützung, ebenso die Sparkasse für die Nachprägung des Reformationstalers in 999er Silber. Geöffnet ist die Ausstellung vom 7. Juni bis 31. Oktober dienstags bis sonntags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr.

von Volker Bohlmann (Gadebuscher-Rehnaer Zeitung, 31.05.2017)

Reformationstaler Nachprägung

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